Palantir ist eines der mächtigsten und umstrittensten Technologieunternehmen der Welt – mit einer Marktkapitalisierung von über 90 Milliarden Dollar (Financial Content). Gegründet 2003 von Peter Thiel und finanziert durch In-Q-Tel, die Venture-Capital-Abteilung der CIA, entwickelte sich Palantir von einer Vision zur “Terrorismusbekämpfung” zu einer Überwachungsmaschine, die Migranten trackt, Kriegsziele identifiziert und Kritiker als “parasitär” bezeichnet (Fortune, Forbes).
CEO Alex Karp – ein Philosoph mit Doktortitel – hat Palantir zu einem Milliarden-Dollar-Unternehmen gemacht, das Geheimdienste, Militär und Strafverfolgung mit Big-Data-Analysen versorgt. Doch seine öffentlichen Äußerungen werfen Fragen auf: Er will Kriegsverbrechen “konstitutionell machen”, bezeichnet Kritiker als “parasitär” und sagt, “Patriotismus wird dich reich machen” (Gizmodo, Fortune).
Dieses Portrait untersucht die Verbindungen zwischen Palantir, Geheimdiensten, Überwachung, Menschenrechtsverletzungen und den ungeklärten Fragen im Schatten der Macht.
Worum es geht
- 🕵️ CIA-Finanzierung: Wie In-Q-Tel Palantir zum Milliardär machte
- 🏛️ ICE-Verträge: 30 Millionen Dollar für “ImmigrationOS” – Massenüberwachung von Migranten
- 🎯 Militärische Targeting-Systeme: Wie Palantir in der Ukraine “die meisten Ziele” identifiziert
- ⚖️ Kriegsverbrechen-Kommentare: Karps Aussage, Kriegsverbrechen “konstitutionell” zu machen
- 🗣️ “Parasitäre” Kritiker: Wie Karp Analysten und Journalisten angreift
- 🚫 Menschenrechtsverletzungen: Amnesty International dokumentiert systematische Verstöße
- 🔒 Sicherheitslücken: US-Armee warnt vor “sehr hohem Risiko” bei Palantir-Systemen
- 💰 10-Milliarden-Dollar-Verträge: Wie Palantir zum größten Militär-IT-Lieferanten wurde
- 🇩🇪 Palantir in Deutschland: Kritischer Einsatz in Bayern, Hessen, NRW und Baden-Württemberg
- ⚖️ Verfassungsbeschwerde: GFF und CCC klagen gegen massenhafte Datenauswertung in Bayern
- 🔍 Chaos Computer Club: Scharfe Kritik an Massenüberwachung und fehlender Transparenz
- 🛡️ Grundrechtsverletzungen: Wie VeRA das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gefährdet
- 🌍 Digitale Souveränität: Die Gefahr der Abhängigkeit von CIA-finanzierten US-Unternehmen
Die Anfänge: Von PayPal zur CIA-Finanzierung
Palantir Technologies wurde offiziell am 6. Mai 2003 gegründet und begann 2004 zu operieren (Wikipedia). Die Firma entstand aus der “PayPal Mafia” – einer Gruppe von Unternehmern um Peter Thiel, die nach dem Verkauf von PayPal an eBay 2002 einflussreiche Tech-Unternehmen gründeten (Financial Content).
Peter Thiel und die PayPal-Verbindung
Peter Thiel – Mitbegründer von PayPal und späterer Investor in Facebook – hatte eine Vision: Nach 9/11 wollte er PayPals Betrugserkennungssystem “Igor” für die nationale Sicherheit adaptieren. Das Ziel: “Terrorismus reduzieren, während Bürgerrechte erhalten bleiben” (Forbes).
Der Name “Palantir” stammt aus “Der Herr der Ringe” – Palantíri sind magische Steine, die es ermöglichen, über große Entfernungen zu sehen und Informationen zu teilen. Für ein Unternehmen, das Datenanalyse für Geheimdienste betreibt, war dies eine passende Metapher (Forbes).
Das Gründungsteam: Von Stanford zur Geheimdienst-Industrie
Das Kernteam bestand aus:
- Peter Thiel: PayPal-Mitbegründer, Hauptfinanzierer
- Nathan Gettings: PayPal-Ingenieur
- Joe Lonsdale und Stephen Cohen: Stanford-Studenten
- Alex Karp: Stanford Law School, Philosoph mit Doktortitel, wurde 2004 CEO (Forbes, Wikipedia)
Alex Karp – ein Philosoph mit Doktortitel aus Deutschland – wurde zum Gesicht von Palantir. Seine akademische Herkunft und philosophische Perspektive prägten die Unternehmenskultur und öffentliche Kommunikation (Fortune).
In-Q-Tel: Die CIA als Venture Capitalist
In-Q-Tel ist die Venture-Capital-Abteilung der CIA – gegründet 1999, um Technologie für die Geheimdienstgemeinschaft zu entwickeln. Der Name ist eine Anspielung auf Q aus den James Bond-Filmen – der technische Meister, der Geheimdienstagenten mit Hightech-Ausrüstung versorgt (Fortune).
In-Q-Tel wurde ein früher Investor in Palantir (Forbes). Die CIA gründete In-Q-Tel, um die Innovationslücke zwischen Washingtons Sicherheitsestablishment und Silicon Valley zu schließen (Fortune). In-Q-Tel hat in über 800 Unternehmen investiert, wobei Palantir zu den bekanntesten Investitionen gehört (Fortune).
Die Implikation: Palantir ist nicht nur ein Lieferant für die CIA, sondern wurde direkt durch die CIA finanziert. Diese Verbindung gibt Palantir frühen Zugang zu Geheimdienstbedürfnissen und Einblicke in die zukünftigen Anforderungen der Geheimdienste.
Die frühen Jahre: Vom Kampf zum Erfolg
Die ersten Jahre waren schwierig. Palantir kämpfte darum, Investoren zu gewinnen, und Thiel finanzierte die frühe Entwicklung persönlich (Forbes). Doch mit CIA-Finanzierung und Geheimdienstverträgen wuchs Palantir zu einem Datenanalyse-Riesen, der Regierungsbehörden (NSA, FBI, CIA), Militär und Unternehmen bedient (Financial Content).
Heute hat Palantir eine Marktkapitalisierung von über 90 Milliarden Dollar und ist einer der mächtigsten Datenanalyse-Anbieter der Welt (Financial Content).
Die Produkte: Gotham, Foundry und ImmigrationOS
Palantir hat drei Hauptprodukte entwickelt, die verschiedene Märkte bedienen – von Geheimdiensten über Militär bis zu Unternehmen und Strafverfolgung.
Palantir Gotham: Das “Betriebssystem für Verteidigungsentscheidungen”
Palantir Gotham ist ein “Betriebssystem für Verteidigungsentscheidungen”, das speziell für militärische und geheimdienstliche Anwendungen entwickelt wurde (Defense Advancement, Business Wire).
Funktionen:
- Datenintegration und -analyse: Moderne Datenintegration, Korrelation, Fusion und Analysefähigkeiten, um disparate Geheimdienstquellen zu verbinden
- Ermittlungsfähigkeiten: Ermöglicht Analysten, Muster in Datensätzen zu identifizieren – von Signals Intelligence bis zu vertraulichen Informantenberichten
- Sicherheitsfeatures: Feingranulare Zugriffskontrollen, unveränderliche Provenienz-Trails und Audit-Funktionalität, die FedRAMP/IC/DoD-Anforderungen erfüllen
US-Armee-Deployment: Palantir wurde vom US Army’s Program Manager for Intelligence Systems and Analytics ausgewählt, um die Palantir Gotham Platform für das Capability Drop 2 (CD-2)-Programm unter einem 823-Millionen-Dollar-Vertrag zu liefern (Defense Advancement, Business Wire). Die Plattform unterstützt Army Intelligence-Nutzer weltweit mit einem global federierten Geheimdaten-Fabric, der mehrere Sicherheitsklassifizierungen umspannt und Kräfte auf “aufkommende Bedrohungen durch nahezu gleichwertige Gegner” vorbereitet.
Palantir Foundry: Die kommerzielle Plattform
Palantir Foundry ist die kommerzielle Plattform des Unternehmens, die “die Art und Weise transformiert, wie Organisationen mit Informationen interagieren, indem sie ein zentrales Betriebssystem für ihre Daten schafft” (The Conversation). Foundry wird hauptsächlich von Unternehmen und privaten Sektoren verwendet (The Conversation).
Der Unterschied:
- Gotham: Für Geheimdienste und Militär
- Foundry: Für Unternehmen
Doch die Grenzen verschwimmen – Foundry wird auch für Regierungsprojekte verwendet, und Gotham-Technologie fließt in kommerzielle Produkte ein.
ImmigrationOS: Die Überwachungsmaschine für Migranten
ImmigrationOS ist Palantirs neuestes und umstrittenstes Produkt – ein 30-Millionen-Dollar-Vertrag mit ICE (U.S. Immigration and Customs Enforcement) zur Entwicklung einer Überwachungsplattform, die Abschiebungen beschleunigen soll (The Register, Wired).
Die drei Kernfunktionen:
- Targeting and Enforcement Prioritization: Streamlining von Auswahl- und Festnahmeoperationen, Priorisierung von gewalttätigen Kriminellen, Gangmitgliedern und Visum-Überläufern
- Self-Deportation Tracking: “Near real-time visibility” in Menschen, die freiwillig die USA verlassen
- End-to-End Lifecycle Tracking: Überwachung von Einwanderern von der Identifikation bis zur Entfernung
Der Vertrag:
- 29,9 Millionen Dollar von ICE an Palantir
- Prototyp bis 25. September 2025 fällig
- Vertrag läuft bis mindestens September 2027
- Sole-Source-Vertrag: ICE argumentierte, Palantir sei der einzige Anbieter, der den engen Zeitplan einhalten kann (The Register, Wired)
Datenquellen: Berichte deuten darauf hin, dass ICE’s Palantir-Tools auf Medicaid-Daten zugreifen (EFF). Das bedeutet: Gesundheitsdaten werden für Einwanderungsdurchsetzung verwendet – eine massive Verletzung der Privatsphäre und medizinischen Vertraulichkeit.
Ein Sole-Source-Vertrag bedeutet, dass eine Regierungsbehörde einen Vertrag ohne Wettbewerb an einen einzigen Anbieter vergibt. Normalerweise müssen Regierungsbehörden mehrere Angebote einholen, um Wettbewerb zu gewährleisten und Kosten zu senken.
Warum ist das problematisch?
- Kein Wettbewerb: Andere Anbieter können nicht konkurrieren, was zu höheren Kosten führt
- Fehlende Transparenz: Die Öffentlichkeit erfährt nicht, ob es bessere oder günstigere Alternativen gibt
- Abhängigkeit: Die Regierung wird abhängig von einem einzigen Anbieter
- Korruptionsrisiko: Weniger Kontrolle über die Vertragsvergabe
ICE’s Begründung: ICE argumentierte, Palantir sei der einzige Anbieter, der den engen Zeitplan einhalten kann. Doch Kritiker fragen: Warum wurde der Zeitplan so eng gesetzt? Und warum ist Palantir der einzige Anbieter, der dies kann?
Die Implikation: Sole-Source-Verträge können verwendet werden, um Wettbewerb zu umgehen und bevorzugte Anbieter zu begünstigen – besonders problematisch bei Überwachungstechnologie, die Menschenrechte betrifft.
ICE-Verträge und Menschenrechtsverletzungen
Palantir ist seit 2011 ein ICE-Vertragspartner und hat in den letzten vier Jahren über 1 Milliarde Dollar von Einwanderungsbehörden erhalten (New York Times). Die ICE-Verträge haben massive Kontroversen ausgelöst – Menschenrechtsorganisationen, Datenschutzaktivisten und Mitarbeiter haben gegen Palantir’s Rolle bei der Einwanderungsdurchsetzung protestiert.
Amnesty International: Systematische Menschenrechtsverletzungen
Amnesty International hat dokumentiert, dass Palantir’s Technologie verwendet wurde, um Menschenrechtsverletzungen gegen Migranten und Asylsuchende zu erleichtern, einschließlich der Festnahme von Eltern und Betreuern unbegleiteter Kinder und der Planung von Masseneinwanderungsrazzien (Amnesty USA).
Die Verstöße:
- Recht auf Privatsphäre: Massive Überwachung von Migranten, Flüchtlingen und Asylsuchenden
- Recht auf Meinungsfreiheit: Überwachung von Pro-Palästina-Protestierenden und internationalen Studenten
- Recht auf Bewegungsfreiheit: Tracking und Einschränkung der Bewegungsfreiheit
- Recht auf Gleichheit und Nichtdiskriminierung: Diskriminierung basierend auf Herkunft und Status
- Recht auf Freiheit: Festnahmen und Inhaftierungen basierend auf fehlerhaften Daten
- Recht auf Protest: Überwachung von Demonstranten und Aktivisten
Amnesty International kam zu dem Schluss, dass Palantir “versäumt, eine menschenrechtliche Due Diligence durchzuführen” und “Profit über Menschen stellt” (Amnesty USA).
”Catch and Revoke”: Überwachung von Pro-Palästina-Protestierenden
Amnesty International dokumentierte, dass Palantir’s Tools als Teil der State Department’s “Catch and Revoke”-Initiative eingesetzt werden, die KI-gestütztes Social-Media-Monitoring und Visum-Status-Tracking verwendet, um internationale Studenten und andere zu identifizieren und Visa zu widerrufen, einschließlich solcher, die Pro-Palästina-Ansichten äußern (Amnesty International).
Die Technologie:
- Sentiment-Analyse: KI-gestützte Analyse von Social-Media-Posts, um “Absichten” zu bewerten
- Mustererkennung: Identifizierung von Mustern in Kommunikation und Verhalten
- Visum-Tracking: Überwachung des Visum-Status von internationalen Studenten
Die Risiken:
- Fehleranfälligkeit: KI-Systeme können falsche Entscheidungen treffen
- Bias: Voreingenommenheit gegen bestimmte Gruppen oder Ansichten
- Fehlende Transparenz: Keine Möglichkeit, zu erfahren, warum ein Visum widerrufen wurde
Massenüberwachung: “Constant Mass Monitoring”
Palantir’s ImmigrationOS ermöglicht “constant mass monitoring, surveillance, and assessments of people”, oft Nicht-US-Bürger im Visier (Amnesty International). Die Technologie aggregiert Daten aus mehreren öffentlichen und privaten Quellen und Regierungsdatenbanken, um Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende in “beispiellosem Ausmaß und Umfang” zu verfolgen.
Die Datenquellen:
- Öffentliche Datenbanken: Regierungsdatenbanken, Einwanderungsakten, Kriminalakten
- Private Quellen: Social-Media-Daten, Kommerzielle Datenbanken, Kreditauskunfteien
- Medicaid-Daten: Gesundheitsdaten werden für Einwanderungsdurchsetzung verwendet (EFF)
Die Implikation: Palantir’s Technologie ermöglicht Massenüberwachung von Millionen von Menschen – eine massive Verletzung der Privatsphäre und Menschenrechte.
Militärische Verträge: Von 480 Millionen zu 10 Milliarden Dollar
Palantir hat massive Verteidigungsverträge mit dem US-Militär gesichert. Die US-Armee vergab dem Unternehmen einen 10-Milliarden-Dollar-Vertrag über 10 Jahre, der Dutzende von vorherigen Verträgen konsolidiert (Washington Post, Reuters).
Der 10-Milliarden-Dollar-Vertrag: Der größte Militär-IT-Deal
Im Juli 2025 vergab die US-Armee Palantir einen 10-Milliarden-Dollar-Vertrag über 10 Jahre (Washington Post, Reuters). Dieser Vertrag konsolidiert Dutzende von vorherigen Verträgen und macht Palantir zu einem der größten Militär-IT-Lieferanten der USA.
Was bedeutet 10 Milliarden Dollar?
- 1 Milliarde Dollar pro Jahr über 10 Jahre
- Mehr als viele Länder für gesamte Verteidigung ausgeben
- Größer als viele nationale IT-Budgets
Maven Smart System: KI-gestützte Zielidentifikation
Palantir gewann einen 480-Millionen-Dollar-Vertrag für das “Maven Smart System”, einen KI-gestützten Targeting-Prototyp, der entwickelt wurde, um Geheimdienstanlysen zu beschleunigen und militärische Ziele zu identifizieren (Reuters).
Die Kontroverse: KI-gestützte Zielidentifikation hat Kontroversen im Tech-Sektor ausgelöst, mit Bedenken, dass Entscheidungen über tödliche Schläge minimale menschliche Aufsicht haben könnten (Reuters). Die Frage bleibt: Wer trägt die Verantwortung, wenn ein KI-System ein falsches Ziel identifiziert?
Sicherheitslücken: “Sehr hohes Risiko”
Ein interner US-Armee-Memo vom September 2025 hob ernsthafte Sicherheitsprobleme mit Gefechtsfeld-Kommunikationssystemen hervor, die von Palantir und Partner Anduril (NGC2-Plattform) entwickelt wurden. Der Chief Technology Officer der Armee erklärte: “Wir können nicht kontrollieren, wer was sieht, wir können nicht sehen, was Nutzer tun, und wir können nicht verifizieren, dass die Software selbst sicher ist” (CNBC).
Die Warnung: Das System sollte als “sehr hohes Risiko” behandelt werden aufgrund von Sicherheitslücken und der Wahrscheinlichkeit, dass Gegner unentdeckten Zugang erhalten (CNBC).
Die Implikation: Palantir’s Systeme haben ernsthafte Sicherheitslücken, die militärische Operationen gefährden können. Wenn Gegner Zugang zu diesen Systemen erhalten, können sie kritische Informationen sehen und Operationen sabotieren.
Ukraine: “Die meisten Ziele” identifiziert
Palantir spielt eine zentrale Rolle in der Ukraine’s Verteidigung gegen Russland. CEO Alex Karp erklärte, das Unternehmen sei “verantwortlich für die meisten Ziele in der Ukraine”, hilft dem Militär, russische Panzer, Artillerie und andere militärische Ausrüstung zu identifizieren und zu zerstören (Reuters).
Wie es funktioniert: Die “Kill-Chain” komprimieren
Palantir’s Gotham-Plattform integriert Drohnen-Video, Satellitenbilder und abgefangene Kommunikation, um die “Kill-Chain” zu komprimieren – Beschleunigung der Zeit zwischen Zielerkennung und Schlag mit Präzisionswaffen wie HIMARS-Systemen (InDepth News).
Der Prozess:
- Datenfusion: Mehrere Datenquellen werden in ein einziges operatives Bild fusioniert
- KI-Analyse: Algorithmen identifizieren wahrscheinliche russische Feuerstellungen innerhalb von Minuten
- Zielpriorisierung: Systeme priorisieren Ziele basierend auf Bedrohung und Wert
- Präzisionsschläge: HIMARS und andere Präzisionswaffen werden auf identifizierte Ziele gerichtet
Die Datenquellen:
- Drohnen-Video: Echtzeit-Video von Frontlinien
- Satellitenbilder: Kommerzielle Satelliten liefern hochauflösende Bilder
- Thermische Sensoren: Wärmebildkameras identifizieren militärische Ausrüstung
- Abgefangene Kommunikation: Signals Intelligence liefert Informationen über Feindbewegungen
Kriegsverbrechen-Dokumentation
Palantir unterstützt die Ukraine auch bei der Dokumentation von Kriegsverbrechen. Die Software hilft Staatsanwälten, angebliche russische Kriegsverbrechen zu untersuchen und zu verfolgen, indem sie Beweise kartiert, Satellitenbilder, Fotos und Geheimdienstdaten kombiniert (Reuters).
Die ethische Frage
Die Frage bleibt: Ist es ethisch, KI-Systeme zu entwickeln, die automatisiert militärische Ziele identifizieren? Und was bedeutet es, wenn ein US-Tech-Unternehmen (Palantir) Technologie für solche Systeme bereitstellt?
Die Parallelen zu Israel: Wie Oracle’s Untergrund-Datacenter in Jerusalem, das AI-Systeme wie Lavender (das 37.000 Palästinenser zum Tode markierte) beherbergt, zeigt Palantir, wie US-Tech-Unternehmen militärische AI-Systeme entwickeln, die Leben und Tod betreffen.
Alex Karp: Der Philosoph als CEO
Alex Karp ist nicht nur CEO von Palantir – er ist auch ein Philosoph mit Doktortitel, der akademische Perspektiven in die Unternehmensführung bringt. Er studierte Philosophie an der Haverford, erwarb einen Juris Doctor von Stanford und einen Ph.D. in Deutschland (SFL Media).
Die philosophische Perspektive
Karp’s Reden und Aktionärsbriefe lesen sich “mehr wie Seminardiskussionen als Executive-Briefings”, mit Verweisen auf historischen Zusammenbruch, kulturellen Niedergang und zivilisatorisches Risiko (SFL Media).
Seine Kritik:
- Amerikanische Universitäten: “Amerikanische Universitäten haben ihren Weg verloren. Sie belohnen Konformität über Originalität, Sicherheit über Risiko und Komfort über Wahrheit.”
- Silicon Valley: “Nur auf Trinkets fokussiert und unsere Kultur zerstört.”
- Technokratische Eliten: “Oberflächliche und rituelle Beschämung anderer im öffentlichen Raum, die sich als Denken tarnt.”
Die Weltanschauung: Westlicher Niedergang
Karp sieht den Westen als existenzielle Herausforderungen gegenüber. In Aktionärsbriefen warnte er, dass die USA “nicht nur adrift sind, wie viele behauptet haben, sondern ihren Weg verloren haben” und dass Europa “Ruine” riskiert, indem es “am Rande steht” bei der AI-Adoption (Fortune).
Seine Botschaft: “Wir haben fast zwei Jahrzehnte auf diesen Moment vorbereitet. Dies ist unsere Zeit, und wir beabsichtigen, sie zu nutzen” – in Bezug auf globalen Konflikt (The Times).
Die umstrittenen Äußerungen: Kriegsverbrechen, Migration und “parasitäre” Kritiker
Alex Karp hat zahlreiche umstrittene Äußerungen gemacht, die Fragen über seine Werte und Prioritäten aufwerfen. Seine Kommentare zu Kriegsverbrechen, Migration und Kritikern haben Kontroversen ausgelöst.
”Kriegsverbrechen konstitutionell machen”
Am New York Times DealBook Summit im Dezember 2025 schlug Karp vor, dass “US-Bootschläge in der Karibik konstitutioneller zu machen” seinem Unternehmen nützen würde: “Je konstitutioneller du es machen willst, je präziser du es machen willst, desto mehr wirst du mein Produkt brauchen” (Gizmodo).
Die Kontroverse: Viele Experten glauben, dass diese Schläge Kriegsverbrechen darstellen (Gizmodo). Karp’s Kommentar impliziert, dass Kriegsverbrechen “konstitutionell gemacht” werden können, indem sie “präziser” werden – eine gefährliche Logik, die ethische Grenzen verwischt.
Die Implikation: Karp sieht Kriegsverbrechen nicht als ethisches Problem, sondern als Geschäftsmöglichkeit. Wenn Kriegsverbrechen “konstitutionell gemacht” werden können, dann kann Palantir mehr Produkte verkaufen.
Migration: “Skeptisch bleiben und Abschreckungskapazität haben”
Karp erklärte, er werde “meinen ganzen Einfluss nutzen, um sicherzustellen, dass dieses Land skeptisch gegenüber Migration bleibt und eine Abschreckungskapazität hat” (Gizmodo). Er verteidigt Palantir’s 30-Millionen-Dollar-ICE-Vertrag für Massenabschiebungsbemühungen, während er Überwachungsbedenken abtut: “Bauen wir eine Datenbank, die für Überwachung verwendet werden kann? Nein.” (Observer).
Die Ironie: Karp bestreitet, dass Palantir Überwachung betreibt, während er gleichzeitig “Abschreckungskapazität” für Migration fordert – genau das, was ImmigrationOS bietet: Massenüberwachung von Migranten.
”Parasitäre” Kritiker: Angriffe auf Analysten und Journalisten
Im November 2025 eskalierte Karp die Rhetorik, indem er Kritiker als “parasitär” bezeichnete und argumentierte, dass Analysten und Journalisten, die vor Überwachung warnten, das Produkt nicht verstanden hätten (Fortune).
Seine Argumentation:
- Finanzanalysten: “Beraubten durchschnittliche Amerikaner” von Investitionsrenditen, indem sie die Aktie herabstuften
- Journalisten: “Verstanden das Produkt nicht” und warnten fälschlicherweise vor Überwachung
- “Woke-Mind-Virus”: “Oberflächliche und rituelle Beschämung” als “Denken tarnt”
Seine Botschaft: “Patriotismus wird dich reich machen” – eine populistische Botschaft, die Kritik als unpatriotisch darstellt (Fortune).
Pro-Israel-Stellungnahme: “Ich bin bereit, Mitarbeiter zu verlieren”
Karp hat interne Kontroversen verursacht, indem er öffentlich Israel unterstützte, und erklärte, er sei “bereit, Mitarbeiter zu verlieren” wegen seiner Haltung (Fortune, CNBC).
Seine Aussage: “Wenn du eine Position hast, die dich nie etwas kostet, um einen Mitarbeiter zu verlieren, ist es keine Position” und erkannte an, dass das Unternehmen bereits Mitarbeiter verloren hat aufgrund seiner Pro-Israel-Ansichten (CNBC).
Die Implikation: Karp priorisiert seine politischen Ansichten über Mitarbeiterzufriedenheit – eine gefährliche Strategie für ein Tech-Unternehmen, das auf Talent angewiesen ist.
”Arroganter Prick”: Die Verteidigung
Karp hat abweisend auf Kritiker reagiert, die ihn arrogant nennen: “Die Kritik, die ich an der Wall Street bekomme, ist, dass ich ein arroganter Prick bin. Okay, großartig. Wenn du oft recht hast, ist es vielleicht ziemlich wichtig, zu behaupten, dass du morgen recht haben wirst.” (Observer).
Auf Earnings Calls hat er Skeptikern gesagt, sie sollten “Popcorn holen, sie weinen” darüber, nicht in Palantir investiert zu haben (CNBC).
Die Überwachungsbehauptungen: “Wir überwachen keine US-Bürger”
Alex Karp behauptet häufig, dass Palantir “die schlechteste Technologie ist, um Bürgerrechte zu missbrauchen” und bestreitet, dass das Unternehmen US-Bürger überwacht (The Intercept, The Verge).
Die Widersprüche
Doch diese Behauptungen stehen im Widerspruch zu Dokumenten:
2017 zeigten freigegebene Dokumente, dass Palantir-Software der NSA half, global zu spionieren mit dem XKEYSCORE-Tool (The Intercept). XKEYSCORE ist ein NSA-Überwachungssystem, das Millionen von Internetnutzern überwacht – einschließlich US-Bürger.
In einem kürzlichen Podcast-Auftritt fügte Karp eine zögerliche Pause hinzu, bevor er erklärte: “Wir überwachen nicht… äh, US-Bürger” – eine Pause, die Kritiker als widersprüchlich interpretierten (The Intercept).
Die Frage bleibt: Wenn Palantir “die schlechteste Technologie ist, um Bürgerrechte zu missbrauchen”, warum wird sie dann von Geheimdiensten verwendet, die Massenüberwachung betreiben?
Die NSA-Verbindung
Die NSA war ein Palantir-Kunde, und Karp hat Datenschutzbedenken bezüglich NSA-Datenbankzugriff heruntergespielt (The Atlantic). Er hat öffentlich NSA-Überwachungsprogramme unterstützt und argumentiert, dass sie “wesentlich für die Terrorismusbekämpfung” sind (Reuters).
Die Ironie: Karp bestreitet, dass Palantir Überwachung betreibt, während er gleichzeitig NSA-Überwachungsprogramme unterstützt – die Massenüberwachung von Millionen von Menschen einschließlich US-Bürger betreiben.
Palantir in Deutschland: Eine kritische Analyse
Deutschland ist für Palantir ein wichtiger Markt – sowohl für kommerzielle Anwendungen (Foundry) als auch für staatliche Überwachung (Gotham). Doch der Einsatz von Palantir-Software durch deutsche Polizeibehörden hat massive Kontroversen ausgelöst, die Grundrechte, Datenschutz und digitale Souveränität betreffen.
Der Einsatz in deutschen Bundesländern: Ein gespaltenes Bild
Die Situation in Deutschland ist uneinheitlich: Während einige Bundesländer Palantir aktiv einsetzen, lehnen andere die Software kategorisch ab (BR, Netzpolitik).
Bundesländer mit Palantir-Einsatz:
- Bayern: Nutzt seit August 2023 die Palantir-Software VeRA (Verfahrensübergreifendes Recherche- und Analysesystem) operativ für verfahrensübergreifende Recherche und Datenanalyse (Tagesschau, Heise)
- Hessen: Setzt die Technologie bereits ein
- Nordrhein-Westfalen: Nutzt Palantir für Polizeianalysen
- Baden-Württemberg: Beschloss im November 2025 die Nutzung der Palantir-Software “Gotham” – der Landtag stimmte mit 113 zu 22 Stimmen dafür. Der Einsatz soll ab dem zweiten Quartal 2026 erfolgen (Tagesschau)
- Berlin: Prüft derzeit den Einsatz der Software
Bundesländer, die Palantir ablehnen:
Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Niedersachsen, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen lehnen Palantir ab (BR). Diese Länder sprachen sich im Bundesrat für eine europäische Lösung aus, die Palantir ausdrücklich ausschließt. Sie begründen dies mit Bedenken bezüglich “langfristiger Abhängigkeiten von einem US-Anbieter und der Vereinbarkeit mit europäischen Datenschutz- und Sicherheitsstandards” (BR).
Die Spaltung zeigt: Während einige Bundesländer Überwachungstechnologie von einem CIA-finanzierten US-Unternehmen als akzeptabel erachten, sehen andere dies als Gefahr für Grundrechte und digitale Souveränität.
VeRA in Bayern: Die “Black Box” der Polizei
Bayern nutzt Palantir’s Gotham-Plattform unter dem Namen VeRA (Verfahrensübergreifendes Recherche- und Analysesystem) (GFF, Heise). Das System ermöglicht es, Millionen von Polizeidaten aus verschiedenen Quellen zu verknüpfen und zu analysieren.
Was VeRA kann:
- Verfahrensübergreifende Recherche: Daten aus verschiedenen Ermittlungsverfahren werden automatisiert verknüpft
- Mustererkennung: Algorithmen identifizieren Verdachtsmomente und Zusammenhänge
- Massenanalyse: Millionen von Datensätzen werden gleichzeitig analysiert
Das Problem: Die Software ist eine “Black Box” – niemand außerhalb von Palantir kann nachvollziehen, wie Entscheidungen getroffen werden. Dies schafft Abhängigkeit von einem US-Unternehmen und macht Kontrolle unmöglich (GFF).
Die Verfassungsbeschwerde: Grundrechte vs. Überwachung
Am 23. Juli 2025 reichte die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) eine Verfassungsbeschwerde gegen den Einsatz der Palantir-Software durch die bayerische Polizei ein (GFF, Tagesspiegel).
Die Kernkritik:
- Verletzung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung: Die massenhafte Datenauswertung verletzt das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, das im Grundgesetz verankert ist
- Verletzung des Fernmeldegeheimnisses: Telekommunikationsdaten werden ohne ausreichende Rechtsgrundlage verarbeitet
- Fehlende Kontrollen: Bayern hält sich nicht an die strengen Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts von 2023, das automatisierte Datenanalysen zwar grundsätzlich für zulässig, aber an enge Bedingungen gebunden erklärte
- Fehlende Schutzvorrichtungen: Es gibt keine wirksamen Kontrollen beim Einsatz und keinen Schutz vor Softwarefehlern
Die Beschwerdeführer:
Die Verfassungsbeschwerde wird von acht Beschwerdeführern unterstützt – darunter Musiker, Aktivisten und Fanhilfe-Vertreter – und wird vom Chaos Computer Club unterstützt (GFF).
Der rechtliche Kontext:
Das Bundesverfassungsgericht hatte 2023 die Analyse-Software in Hessen und Hamburg für verfassungswidrig erklärt und automatisierte Datenanalyse wegen unverhältnismäßig weitgehender Eingriffe und Verletzung des Zweckbindungsgrundsatzes für nichtig erklärt (Tagesspiegel). Bayern hält sich nicht an diese Leitplanken.
Chaos Computer Club: “Massenüberwachung darf nicht Alltag werden”
Der Chaos Computer Club (CCC) – Deutschlands größte Hackervereinigung und wichtigste digitale Bürgerrechtsorganisation – hat scharfe Kritik am Palantir-Einsatz in Deutschland geübt (CCC, Heise).
Die Kernkritik des CCC:
- Massenüberwachung statt gezielter Ermittlung
CCC-Sprecherin Constanze Kurz argumentiert, dass “Palantir’s dragnet search covers an enormous number of people” und dass “previously separate data that was intended for very different purposes is now being linked together” (Heise). Diese automatisierte Massenanalyse sollte nicht Teil der alltäglichen Polizeiarbeit werden.
- Fehlende Transparenz und Kontrolle
Der CCC kritisiert, dass kombinierte Daten “in a deliberately opaque software” von Palantir landen, was jahrelange Abhängigkeit der Polizei von dem Unternehmen schafft und es unmöglich macht zu verifizieren, wie Entscheidungen getroffen werden (Heise, DW).
- Verletzung von Grundrechten
Der CCC unterstützt die Verfassungsbeschwerde der GFF und argumentiert, dass der Palantir-Einsatz das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das Fernmeldegeheimnis verletzt (Heise).
- Unverhältnismäßige Überwachung Unschuldiger
Jeder, der eine Anzeige erstattet, Opfer einer Straftat wird oder einfach zur falschen Zeit am falschen Ort ist, kann von der Software ins Visier genommen werden – einschließlich Menschen ohne Verbindung zu Straftaten (Heise, DW).
- Verweis auf Bundesverfassungsgerichtsurteil
Der CCC verwies auf das Bundesverfassungsgerichtsurteil von 2023, das ähnliche automatisierte Datenanalysen in Hessen und Hamburg für verfassungswidrig erklärte, als Beweis dafür, dass Bayerns Ansatz etablierte Rechtsstandards verletzt (Heise).
Die Forderung des CCC:
Der CCC fordert “digitale Brandmauern” gegen Überwachungstechnologie, die Grundrechte gefährdet (CCC). Die Organisation warnt davor, dass “Faschismus’ cravings” (Faschismus-Gelüste) durch digitale Infrastruktur erleichtert werden könnten, die Massenüberwachung ermöglicht.
Die Gefahr für Unschuldige: “Zur falschen Zeit am falschen Ort”
Ein besonders beunruhigender Aspekt des Palantir-Einsatzes in Deutschland ist, dass nicht nur Verdächtige, sondern auch Unschuldige ins Visier geraten können (GFF, Tagesspiegel).
Wer kann betroffen sein?
- Anzeigenerstatter: Menschen, die Straftaten melden, können ins Verdachtsraster geraten
- Opfer von Straftaten: Opfer werden automatisiert analysiert und können fälschlicherweise als Verdächtige eingestuft werden
- Zeugen: Zeugenaussagen werden in Datenbanken gespeichert und automatisiert verknüpft
- Auskunftspersonen: Menschen, die Auskunft geben, werden überwacht
- “Zur falschen Zeit am falschen Ort”: Menschen, die zufällig in der Nähe von Straftaten sind, können ins Verdachtsraster geraten
Die Implikation: Die automatisierte Massenanalyse macht jeden zu einem potenziellen Verdächtigen – eine massive Verletzung des Rechts auf Unschuldsvermutung und der Privatsphäre.
Datenschutzbedenken: US-Geheimdienste und Cloud Act
Ein zentrales Problem beim Einsatz von US-Software in Deutschland ist die Gefahr des Datenzugriffs durch US-Geheimdienste (Deutschlandfunk, Süddeutsche Zeitung).
Der Cloud Act:
Der US Cloud Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) von 2018 gibt US-Behörden das Recht, auf Daten zuzugreifen, die von US-Unternehmen gespeichert werden – unabhängig davon, wo die Daten physisch gespeichert sind (Süddeutsche Zeitung).
Die Gefahr:
Wenn deutsche Polizeidaten durch Palantir-Software verarbeitet werden, könnten US-Geheimdienste theoretisch auf diese sensiblen Daten zugreifen – eine massive Sicherheitsbedrohung für deutsche Bürger und staatliche Sicherheit.
Die Schweizer Warnung:
Eine Schweizer Untersuchung ergab, dass die Schweizer Regierung Palantir ablehnte aus Befürchtungen, dass US-Geheimdienste auf sensible Daten zugreifen könnten (The Guardian). Diese Bedenken sollten auch für Deutschland gelten.
Palantir Foundry in Deutschland: Kommerzielle Anwendungen
Neben dem staatlichen Einsatz wird Palantir’s Foundry-Plattform auch von deutschen Unternehmen verwendet (Digitoren, GFU).
Einsatzbereiche:
- Energiebranche: Netzbetreiber und Versorger nutzen Foundry für Datenintegration und Entscheidungsintelligenz
- Automobilindustrie: BMW, Mercedes und andere Automobilhersteller setzen Foundry ein
- Supply Chain und Logistik: Logistikunternehmen nutzen die Plattform für Lieferkettenoptimierung
- Produktion und Fertigung: Automotive- und Chemieunternehmen verwenden Foundry für Produktionsoptimierung
Die Funktionen:
Foundry verbindet isolierte Informationsinseln zu einem ganzheitlichen Entscheidungsframework durch:
- Datenintegration: Heterogene Datenquellen in Echtzeit integrieren
- Semantische Modellierung: Komplexe Geschäftsbeziehungen abbilden
- Analyse-Tools: Dynamische Dashboards und operative Playbooks erstellen
- Automatisierung: Workflow-Implementierung
Die Marktposition:
Europa ist für Palantir der wirtschaftlich zweitwichtigste Markt nach den USA, wobei Deutschland einen zentralen Schwerpunkt darstellt (Digitoren).
Die Frage bleibt: Wenn deutsche Unternehmen US-Software verwenden, die potenziell von US-Geheimdiensten überwacht werden kann, was bedeutet das für Geschäftsgeheimnisse und Wettbewerbsfähigkeit?
Die Debatte: Digitale Souveränität vs. Effizienz
Die Debatte über Palantir in Deutschland dreht sich um zwei zentrale Fragen:
- Digitale Souveränität: Sollte Deutschland abhängig von einem US-Unternehmen sein, das CIA-finanziert ist und Überwachungstechnologie entwickelt?
- Effizienz vs. Grundrechte: Ist die Effizienzsteigerung in der Polizeiarbeit die Verletzung von Grundrechten wert?
Die Befürworter argumentieren:
- Effizienzsteigerung: Palantir beschleunigt Ermittlungen und hilft, Straftaten aufzuklären
- Technologische Überlegenheit: Keine europäische Alternative ist so leistungsfähig
- Kostenersparnis: Weniger Personal wird benötigt
Die Kritiker argumentieren:
- Grundrechtsverletzung: Massenüberwachung verletzt Grundrechte
- Abhängigkeit: Langfristige Abhängigkeit von einem US-Unternehmen
- Fehlende Transparenz: Black Box macht Kontrolle unmöglich
- Gefahr für Unschuldige: Unschuldige geraten ins Verdachtsraster
Die Implikation: Die Entscheidung über Palantir in Deutschland ist eine grundsätzliche Frage über die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit – eine Frage, die nicht nur technisch, sondern auch politisch und ethisch beantwortet werden muss.
VeRA (Verfahrensübergreifendes Recherche- und Analysesystem) ist der deutsche Name für Palantir’s Gotham-Plattform, die von der bayerischen Polizei eingesetzt wird.
Wie es funktioniert:
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Datenintegration: VeRA verbindet Daten aus verschiedenen Quellen:
- Polizeiakten aus verschiedenen Ermittlungsverfahren
- Kriminalakten und Strafregister
- Telekommunikationsdaten (Metadaten)
- Fahrzeugdaten und Bewegungsprofile
- Finanzdaten und Transaktionen
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Automatisierte Analyse: Algorithmen analysieren die verknüpften Daten und identifizieren:
- Verdachtsmomente und Zusammenhänge
- Muster in Verhalten und Kommunikation
- Vermutete Verbindungen zwischen Personen und Ereignissen
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Visualisierung: Die Ergebnisse werden in Graphen und Dashboards dargestellt, die Beziehungen zwischen Personen, Orten und Ereignissen zeigen.
Das Problem:
- Black Box: Niemand außer Palantir weiß genau, wie die Algorithmen funktionieren
- Fehleranfälligkeit: Falsche Verbindungen können zu falschen Verdachtsmomenten führen
- Massenüberwachung: Millionen von Menschen werden automatisiert analysiert, nicht nur Verdächtige
- Fehlende Kontrolle: Polizeibeamte können nicht nachvollziehen, warum das System bestimmte Verdachtsmomente identifiziert
Die Gefahr: VeRA kann Unschuldige ins Verdachtsraster bringen, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren oder zufällige Verbindungen zu Verdächtigen haben.
Sieben Bundesländer (Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Niedersachsen, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen) lehnen Palantir kategorisch ab und fordern eine europäische Alternative.
Die Gründe:
- Langfristige Abhängigkeit: Abhängigkeit von einem US-Unternehmen schafft strategische Risiken
- Datenschutzbedenken: US-Cloud Act ermöglicht US-Geheimdiensten theoretisch Zugriff auf Daten
- Grundrechtsverletzungen: Massenüberwachung verletzt Grundrechte wie informationelle Selbstbestimmung
- Fehlende Transparenz: Black Box macht Kontrolle unmöglich
- Digitale Souveränität: Europa sollte eigene Lösungen entwickeln, statt von US-Unternehmen abhängig zu sein
Die Forderung:
Diese Bundesländer sprachen sich im Bundesrat für eine europäische Lösung aus, die Palantir ausdrücklich ausschließt. Sie argumentieren, dass Europa in der Lage sein sollte, eigene Überwachungstechnologie zu entwickeln, die Grundrechte respektiert und transparent ist.
Die Implikation: Die Spaltung zwischen Befürwortern und Gegnern zeigt, dass die Entscheidung über Palantir nicht nur technisch, sondern politisch ist – eine Frage der Werte und Prioritäten.
Internationale Kontroversen: UK, Schweiz und Datenzugriff
Palantir hat auch internationale Kontroversen ausgelöst, besonders in Europa, wo Datenschutzbedenken und Sicherheitsrisiken dokumentiert wurden.
UK: Sicherheitsbedenken nach Schweizer Untersuchung
UK-Abgeordnete haben Palantir-Verträge in Frage gestellt, nachdem eine Schweizer Untersuchung ergab, dass die Schweizer Regierung Palantir ablehnte aus Befürchtungen, dass US-Geheimdienste auf sensible Daten zugreifen könnten (The Guardian).
Die Untersuchung: Die Untersuchung dokumentierte Schweizer Armee-Bewertungen, dass Palantir’s US-Status Daten-Sicherheitsrisiken darstellte (The Guardian).
Palantir’s Antwort: Palantir bestritt diese Behauptungen und erklärte, es gebe “keine Grundlage” für Anschuldigungen über Datenzugriff und dass sie “volle Kundenkontrolle” durch vertragliche und technische Schutzmaßnahmen aufrechterhalten (The Guardian).
Die Frage bleibt: Wenn US-Geheimdienste auf Palantir-Daten zugreifen können, dann können sie auf sensible Daten von ausländischen Regierungen zugreifen – eine massive Sicherheitsbedrohung.
Fazit: Die Überwachungsmaschine
Palantir ist eines der mächtigsten Technologieunternehmen der Welt – nicht nur wegen seiner 90-Milliarden-Dollar-Marktkapitalisierung, sondern wegen seiner Kontrolle über kritische Überwachungsinfrastruktur:
- CIA-Finanzierung durch In-Q-Tel
- 10-Milliarden-Dollar-Militärverträge mit der US-Armee
- 30-Millionen-Dollar-ICE-Verträge für Massenüberwachung von Migranten
- Menschenrechtsverletzungen dokumentiert von Amnesty International
- Sicherheitslücken in militärischen Systemen
- Umstrittene Äußerungen von CEO Alex Karp über Kriegsverbrechen und Migration
- Einsatz in Deutschland: Bayern, Hessen, NRW und Baden-Württemberg nutzen Palantir trotz Grundrechtsbedenken
- Verfassungsbeschwerde: GFF und CCC klagen gegen massenhafte Datenauswertung in Bayern
Die globale Dimension
Palantir’s Einfluss erstreckt sich über Kontinente:
- USA: ICE-Überwachung, Militärverträge, Geheimdienstkooperation
- Europa: Deutschland, UK, Schweiz – mit kontroversen Debatten über Datenschutz und Souveränität
- Ukraine: Kriegsziele identifizieren und Kriegsverbrechen dokumentieren
- Unternehmen weltweit: Foundry wird von BMW, Mercedes und anderen Großkonzernen genutzt
Die Gefahren
Doch vieles bleibt im Schatten:
- Vollständige Ausmaße der Überwachung
- Zugriff von US-Geheimdiensten auf ausländische Daten (besonders relevant für Deutschland)
- Fehlerquoten in KI-gestützten Targeting-Systemen
- Verantwortlichkeit für falsche Entscheidungen
- Auswirkungen auf Unschuldige, die ins Verdachtsraster geraten
Die Geheimhaltung macht es unmöglich, die vollen Ausmaße von Palantir’s Einfluss zu verstehen. Was wir wissen, ist beunruhigend genug. Was wir nicht wissen, könnte noch beunruhigender sein.
Die deutsche Perspektive
In Deutschland zeigt die Debatte über Palantir eine fundamentale Spaltung:
- Befürworter sehen Effizienzsteigerung und technologische Überlegenheit
- Kritiker warnen vor Grundrechtsverletzungen, Abhängigkeit und fehlender Transparenz
Die Verfassungsbeschwerde der GFF und die Kritik des CCC zeigen, dass zivilgesellschaftliche Organisationen die Gefahren erkennen und Grundrechte verteidigen.
Die Frage bleibt: Werden Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg ihre Entscheidung überdenken, wenn das Bundesverfassungsgericht die Verfassungsbeschwerde annimmt? Oder wird Deutschland weiterhin CIA-finanzierte Überwachungstechnologie einsetzen, die Grundrechte gefährdet?
Die größere Frage
In einer Welt, in der Tech-Unternehmen Überwachungsinfrastruktur kontrollieren, Kriegsziele identifizieren und Migranten tracken – wer kontrolliert die Kontrolleure?
Palantir zeigt, wie mächtig ein einziges Unternehmen werden kann, wenn es kritische Infrastruktur kontrolliert. Die Frage ist nicht nur, ob Palantir ethisch handelt, sondern ob Gesellschaften es zulassen sollten, dass private Unternehmen solche Macht haben.
Die Antwort liegt nicht nur bei Regierungen und Gerichten, sondern auch bei Bürgern, die Grundrechte verteidigen und Transparenz fordern.
Quellen und weiterführende Informationen
Palantir Geschichte und Gründung
- Forbes: How A ‘Deviant’ Philosopher Built Palantir, A CIA-Funded Data-Mining Juggernaut
- Financial Content: The History of Palantir Technologies
- Fortune: Meet the CIA-backed venture fund behind Palantir, Anduril
- Wikipedia: Palantir Technologies
- Britannica: Palantir Technologies, Inc.
ICE-Verträge und ImmigrationOS
- Wired: ICE Is Paying Palantir $30 Million to Build ‘ImmigrationOS’ Surveillance Platform
- The Register: ICE enlists Palantir to develop all-seeing ‘ImmigrationOS’
- New York Times: The Surveillance Tools That Could Power Trump’s Immigration Crackdown
- EFF: Report: ICE Using Palantir Tool That Feeds On Medicaid Data
- EPIC: EPIC v. ICE (Palantir Databases)
Menschenrechtsverletzungen
- Amnesty International: Tech made by Palantir and Babel Street pose surveillance threats
- Amnesty USA: Palantir Technologies Contracts Raise Human Rights Concerns
- Business and Human Rights Centre: Palantir at center of federal data integration
Militärische Verträge
- Washington Post: Palantir gets $10 billion contract from U.S. Army
- Reuters: US Army pools contracts into up to $10 billion Palantir deal
- Reuters: Pentagon awards $480 million deal to Palantir for ‘Maven’ prototype
- CNBC: Anduril and Palantir battlefield communication system ‘very high risk’
Ukraine-Krieg
- Reuters: Ukraine is using Palantir’s software for ‘targeting,’ CEO says
- InDepth News: How Palantir Is Aiding Ukraine in Its War with Russia
- United24: Palantir, the Secretive Tech Giant Shaping Ukraine’s War Effort
- Reuters: Data company Palantir help Ukraine prosecute alleged Russian war crimes
- Foreign Policy: Frigid Kyiv Kindles a High-Tech Plan to Keep Russia at Bay
Alex Karp’s umstrittene Äußerungen
- Gizmodo: Palantir CEO Says Making War Crimes Constitutional Would Be Good for Business
- Fortune: Palantir CEO slams ‘parasitic’ critics calling the tech a surveillance tool
- Fortune: Palantir CEO Alex Karp knows staff will keep quitting over his pro-Israel views
- CNBC: Palantir CEO says his outspoken pro-Israel views have caused employees to leave company
- Observer: Palantir CEO Alex Karp Doesn’t Mind Being Called an ‘Arrogant Prick’
- CNBC: Fentanyl, ICE and popcorn: Palantir CEO Alex Karp’s earnings call commentary
- CNBC: Palantir CEO Karp says AI is dangerous and ‘either we win or China will win’
- The Verge: Alex Karp is mad people think Palantir is a surveillance company
Überwachungsbehauptungen
- The Intercept: Alex Karp Insists Palantir Doesn’t Spy on Americans. Here’s What He’s Not Saying.
- The Atlantic: Larry Ellison, NSA Database Supplier, Approves of NSA Surveillance
- Reuters: Oracle’s Ellison downplays threat of NSA database snooping
Palantir in Deutschland
- BR: Viele Bundesländer meiden Palantir
- Tagesschau: Schafft die Polizei den gläsernen Bürger?
- Tagesschau: Landtag beschließt Nutzung umstrittener Polizei-Software von Palantir
- GFF: Verfassungsbeschwerde gegen Palantir-Einsatz in Bayern
- Heise: Verfassungsbeschwerde gegen Palantir-Einsatz in Bayern
- Tagesspiegel: Verfassungsbeschwerde gegen Regeln für Polizei-Software eingereicht
- Netzpolitik: Das Problem heißt nicht nur Palantir
- Netzpolitik: Bundesländer nicht scharf auf Palantir
- Chaos Computer Club: CCC fordert digitale Brandmauer
- Heise: Constitutional complaint against Palantir deployment in Bavaria
- DW: German police expands use of Palantir surveillance software
- The Local: What is Palantir’s Gotham software and why do German police want it?
- Deutschlandfunk: Datenschützer warnen vor Polizei-Software aus den USA
- Süddeutsche Zeitung: Welche Gefahr birgt die US-Polizeisoftware für Deutschland?
- ZDF: So setzt die Polizei die umstrittene Software ein
- MDR: Diskussion um Polizei-Software Palantir erreicht Mitteldeutschland
- FR: Klage gegen Palantir-Einsatz
- RSW: GFF erhebt Verfassungsbeschwerde gegen Bayerns Regeln für Polizei-Software
- GFF: Blackbox Palantir - Verfassungsbeschwerde
- Digitoren: Palantir & Europa: Chancen für Behörden und Industrie
- GFU: Schulung Palantir Foundry
- CIO: Ist Deutschland wirklich von Palantir abhängig?
Internationale Kontroversen
Alex Karp’s Philosophie und Weltanschauung
- Fortune: How Palantir’s CEO forged a connection with investors by writing spicy shareholder letters
- The Times: Palantir chief Alex Karp: War is here — you need a pariah on your side
- SFL Media: Palantir C.E.O. Alex Karp’s Full Interview With the New York Times
- Semafor: Is Alex Karp for real?
- Wired: Alex Karp Goes to War
Palantir Produkte
- Defense Advancement: New Intelligence Data Fabric and Analytics Solution for US Army
- Business Wire: Army Selects Palantir for Intelligence Data Fabric and Analytics Solution
- The Conversation: When the government can see everything: How one company – Palantir – is mapping the nation’s data
- Golding Research: Inside Palantir Gotham