150 Milliarden Euro verschwanden weltweit durch den Cum-Ex-Skandal – der größte Steuerraub der deutschen Geschichte. In Deutschland allein beläuft sich der Schaden durch Cum-Ex-Geschäfte auf mindestens 10-12 Milliarden Euro, durch Cum-Cum-Geschäfte auf weitere 28,5 Milliarden Euro – zusammen also über 40 Milliarden Euro (Correctiv, Merkur, Tagesschau). Doch während die Öffentlichkeit glaubt, es seien nur “gierige Banker” gewesen, enthüllt der Kronzeuge Kai-Uwe Steck eine andere Wahrheit: Der Staat und die Spitzenpolitik waren aktiv involviert. Sie wussten nicht nur davon – sie haben es sogar ermöglicht.
Steck war Wirtschaftsanwalt in der Hochfinanz, verdiente Millionen mit Cum-Ex-Deals und wurde dann zum Kronzeugen. Was er heute erzählt, ist eine Bombe – und wurde von Medien und Politik aktiv unterdrückt. Cum-Ex war also kein reines Banken-Verbrechen – es war auch ein Staatsverbrechen.
Worum es geht
- 💰 150 Milliarden Euro Schaden: Der größte Steuerraub Deutschlands und Europas – weltweit
- 📊 Cum-Ex vs. Cum-Cum: Der übersehene Bruder mit fast dreifachem Schaden
- 🌍 Internationale Dimension: Mindestens 10 europäische Länder betroffen, mangelnde Koordination
- 🏛️ Der Staat als Mitwisser: Wie das Bundesfinanzministerium Cum-Ex aktiv ermöglichte
- 🏦 Landesbanken im Sumpf: West-LB, HSH Nordbank und die versteckten Subventionen
- 📋 Das Gesetz vom Bankenverband: Wie die Bankenindustrie ihr eigenes Gesetz schrieb
- ⚖️ BGH-Urteil 2021: Erstmals höchstrichterlich bestätigt – Cum-Ex ist strafbar
- 👨💼 Anwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer: Die Strippenzieher des Skandals
- 🏛️ BaFin-Versagen: Frühzeitige Hinweise 2007 ignoriert, Informationen unter Verschluss
- 💸 Rückforderungen im Stillstand: Nur 3,1 Milliarden von 10+ Milliarden Euro zurückgeholt
- 🔍 Die Scholz-Verbindung: Warburg, Hamburg und die Tagebücher
- ⚖️ Strafverfolgung im Stillstand: Warum nur 1-2% der 1.700-1.800 Beschuldigten verurteilt wurden
- 📺 Unterdrückte Dokumentationen: Fertige Reportagen, die nie gesendet wurden
- 🛡️ Kronzeugenregelung: Deutschland vs. Amerika – warum Kronzeugen hier keinen Schutz bekommen
Der Kronzeuge: Von der Finanzindustrie zur Kooperation
Kai-Uwe Steck kam aus kleinen Verhältnissen in Ostfriesland in die Hochfinanz. Als Wirtschaftsanwalt arbeitete er für internationale Großkanzleien – “Wall Street”-Anwaltsfabriken mit Tausenden von Anwälten weltweit. Er beriet Banken und Investoren bei der Konstruktion von Cum-Ex-Strategien.
Von 2006 bis 2010 war Steck aktiv an Cum-Ex-Deals beteiligt. Er verursachte einen Steuerschaden von 500 Millionen Euro – nicht in seine eigene Tasche, sondern durch seine Arbeit als Anwalt. 2016 stellte er sich als erster und einziger aus der Cum-Ex-Industrie den Behörden und wurde zum Kronzeugen.
Die Bilanz seiner Kronzeugentätigkeit:
- 500 Millionen Euro Schaden verursacht
- 650 Millionen Euro durch seine Aussagen zurückgeholt
- Bis heute weitere 100 Millionen Euro durch seine Aussagen zurückgezahlt
- 12 Gerichtsverfahren als Zeuge
- 1 Gerichtsverfahren als Angeklagter – Bewährungsstrafe von 1 Jahr und 10 Monaten
Sein ehemaliger Partner und Mentor Hanno Berger, der 20 Jahre älter war, sitzt heute für über 10 Jahre im Gefängnis – weil er nicht kooperierte und keine Einsichtsfähigkeit zeigte. Der Bundesgerichtshof bestätigte im Oktober 2024 die Verurteilung durch das Landgericht Wiesbaden zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und drei Monaten wegen Steuerhinterziehung (NZZ).
Die Geschichte von Cum-Ex: Von den 1990ern bis heute
Cum-Ex ist kein neues Phänomen. Die Wurzeln reichen bis in die 1990er Jahre zurück, als ähnliche Geschäfte bereits im Interbankenverkehr zwischen Deutschland, Frankreich und Italien praktiziert wurden (Zeit, Wikipedia).
Cum-Cum-Geschäfte (eine verwandte Form) wurden bereits seit den 1990er Jahren durchgeführt, während Cum-Ex-Geschäfte spätestens ab 2001 in Deutschland auftauchten (NDR Panorama). Der Bankenverband kannte das Problem bereits seit Ende der 1970er Jahre – also über 20 Jahre, bevor er offiziell Stellung bezog (Süddeutsche Zeitung).
Die Hochphase der Cum-Ex-Geschäfte lag zwischen 2005 und 2011 – genau in der Zeit, als das Jahressteuergesetz 2007 eine bewusste Lücke ließ. Erst 2012 wurden Cum-Ex-Geschäfte endgültig für illegal erklärt (Bundestag).
Cum-Ex vs. Cum-Cum: Der übersehene Bruder
Während Cum-Ex in der Öffentlichkeit bekannt wurde, blieb Cum-Cum lange im Schatten – obwohl der Schaden hier noch größer ist (Finanzwende).
Der Unterschied
Cum-Ex-Geschäfte:
- Eine nur einmal gezahlte Kapitalertragsteuer wird mehrfach erstattet
- Durch komplexe Transaktionen mehrerer Banken wird verschleiert, wer Anspruch auf die Rückerstattung hat
- Geschätzter Schaden in Deutschland: 10-12 Milliarden Euro
Cum-Cum-Geschäfte:
- Eine Steuer wird zurückerstattet, auf die der tatsächliche Eigentümer grundsätzlich kein Anrecht hatte
- Ausländische Halter deutscher Aktien (die keinen Erstattungsanspruch haben) übertrugen diese kurz vor der Dividendenauszahlung an deutsche Institute
- Diese ließen sich die Steuer zurückerstatten, danach wanderten die Aktien zurück
- Geschätzter Schaden in Deutschland: Mindestens 28,5 Milliarden Euro – fast dreimal so hoch wie bei Cum-Ex (Spiegel, Tagesschau)
Die Aufarbeitung: Während bei Cum-Ex mehrere Banker bereits verurteilt wurden und gegen rund 1.700 Beschuldigte ermittelt wird, beginnt die juristische Aufarbeitung von Cum-Cum erst jetzt. Bis Ende 2023 wurden bundesweit nur etwa 200 Millionen Euro zurückgeholt (Süddeutsche Zeitung).
Wie funktioniert Cum-Ex? Der größte Steuerraub Deutschlands
Cum-Ex (lateinisch: “mit ohne”) ist ein komplexes Steuergeschäft, das auf einem Systemfehler basiert. Die meisten Menschen verstehen es falsch – selbst viele Journalisten wiederholen den falschen Satz: “Bei Cum-Ex haben sich die Täter zweimal erstatten lassen, was einmal abgeführt wurde.”
Das ist falsch. Die Wahrheit ist komplexer:
Der Systemfehler: Zwei Bescheinigungen für eine Aktie
Das Problem: Zwei Personen, die nichts miteinander zu tun haben und sich nicht kennen, erhalten beide eine Kapitalertragsteuerbescheinigung für die gleiche Aktie und gleiche Dividende.
Beispiel:
- Eine Aktie (z.B. Daimler) zahlt eine Dividende
- 250 Euro Kapitalertragsteuer werden einmal an der Quelle abgeführt
- Person A (Bank 1) erhält eine Bescheinigung und holt sich 250 Euro Erstattung
- Person B (Bank 2) erhält eine andere Bescheinigung und holt sich 250 Euro Erstattung
- Ergebnis: Der Staat zahlt 500 Euro aus, hat aber nur 250 Euro eingenommen
- Loch in der Kasse: 250 Euro
Der entscheidende Punkt: Es sind zwei verschiedene Bescheinigungen von zwei verschiedenen Banken. Die Banken durften diese Bescheinigungen ausstellen – und das war der Systemfehler.
Warum funktionierte das?
Banken durften Kapitalertragsteuerbescheinigungen ausstellen – und das System erlaubte es, dass mehrere Bescheinigungen für die gleiche Aktie und gleiche Dividende existierten. Dazwischen saß eine Investmentbank, die orchestrierte, dass beide Personen ihre Erstattung bekamen.
Die Technik: Über Leerverkäufe und komplexe Transaktionen wurde erreicht, dass zwei verschiedene Banken jeweils eine Bescheinigung ausstellten – obwohl nur einmal Steuer abgeführt wurde. Durch Leerverkäufe von Aktien kam es zwischen 1999 und 2011 zu mehrfacher Erstattung beziehungsweise Anrechnung von tatsächlich nur einmal eingezogener Kapitalertragsteuer (Bundestag). Das System basierte auf der Verschiebung von Aktien innerhalb kurzer Zeit um den Dividendenstichtag herum und wurde von einem Netzwerk von Aktienhändlern, Steuerberatern, Bankern und Anwälten systematisch genutzt (Wikipedia).
Der Staat als Mitwisser: Das Gesetz vom Bankenverband
Dezember 2002 schrieb der Bundesverband deutscher Banken (BdB) (der Lobbyverband der Bankenindustrie) einen Brief an das Bundesfinanzministerium. Der Inhalt: “Lieber Finanzminister, wir machen Cum-Ex-Trades und das führt zu Steuerschäden.” (Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt)
Das war kein Geständnis – es war eine Information, weil die Banken kalte Füße bekamen. Sie sahen den Systemfehler und wollten keine Verantwortung übernehmen. Moralische Bedenken gab es nicht – in der Investmentbanking-Industrie gibt es keine Moral, wie Steck betont.
Fünf Jahre Schweigen
Von 2002 bis 2006 – vier Jahre lang – reagierte das Bundesfinanzministerium nicht. Das sind mehr als eine Legislaturperiode – mindestens zwei Regierungen haben das Problem ignoriert.
2006 meldete sich das Bundesfinanzministerium endlich zurück – mit einer absurden Bitte: “Könnt ihr uns ein Gesetz schreiben? Wir wissen nicht so genau, was wir da machen sollen. Es ist komplex. Könnt ihr uns das schreiben, ihr seid ja vom Fach.”
Der Bock wurde zum Gärtner gemacht: Die Bankenindustrie, die Cum-Ex machte, sollte das Gesetz schreiben, das Cum-Ex stoppen sollte.
Das Jahressteuergesetz 2007: Die perfide Lösung
Der Bankenverband schrieb das Gesetz – und die Lösung war perfide:
Das Gesetz sagte: Wenn eine Bank in Deutschland diesen Trade orchestriert, muss sie noch einmal die Kapitalertragsteuer abführen. Dann sind alle wieder happy – zweimal erstattet, zweimal abgeführt.
Das Problem: Das Gesetz galt nur für Banken, die in Deutschland die Trades orchestrierten. Die Industrie war aber schon international – Banken in UK, USA, Australien, Dubai und weltweit machten Cum-Ex.
Die Lösung der Banken: Sie verlagerten die orchestrierenden Banken ins Ausland. Von 2007 bis 2010 – bis zur richtigen Systemänderung – entstanden die größten Steuerschäden in Deutschland.
Das Gesetz wurde ohne ein Komma zu ändern durch den Bundestag und Bundesrat verabschiedet und im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Niemand im Ministerium oder Parlament hat es überprüft.
Warum wurde das so durchgewunken?
Steck’s These: “Ich bin sehr sicher, dass das mit Absicht erfolgte.” Die Menschen im Bundesfinanzministerium sind nicht doof – sie sind hochgebildete Experten mit Jura- oder Steuerrechtsstudium. Es gab sogar verbürgte Fälle, wo Mitarbeiter des Bankenverbandes an das Bundesfinanzministerium ausgeliehen wurden.
Die Frage: Warum wurde ein Gesetz, das von der Bankenindustrie geschrieben wurde und eine bewusste Lücke hatte, so durchgewunken?
Die internationale Dimension: Ein europäisches Problem
Der Cum-Ex-Skandal ist kein rein deutsches Problem – er erstreckte sich auf mindestens zehn europäische Länder (NDR Panorama, Correctiv).
Betroffene Länder und Schäden
Die fünf am stärksten betroffenen europäischen Länder verloren zusammen über 62,9 Milliarden US-Dollar (Wikipedia):
- Deutschland: 31,8 Milliarden Euro Schaden durch Cum-Ex (andere Schätzungen gehen von 10-12 Milliarden Euro für Cum-Ex allein aus, plus 28,5 Milliarden Euro für Cum-Cum) (Zeit)
- Frankreich: Mindestens 17 Milliarden Euro Schaden (Deutschlandfunk)
- Italien: Etwa 5 Milliarden Euro Schaden
- Dänemark, Spanien, Niederlande und weitere europäische Staaten waren ebenfalls betroffen
Die weltweite Schadenssumme wurde 2021 neu berechnet und auf 150 Milliarden Euro beziffert – dreimal höher als ursprünglich geschätzt (Merkur).
Mangelnde internationale Koordination
Ein zentrales Problem: Deutschland kannte Cum-Ex-Geschäfte bereits seit 2002, warnte aber seine europäischen Nachbarn erst 2015 – ein Verzug von 13 Jahren (Deutschlandfunk). Dies ermöglichte Tätern, von Land zu Land auszuweichen, wo Behörden auf diese Betrugsform nicht vorbereitet waren.
Jedes europäische Land verfolgt die Steuertricks nach eigenen Regeln, ohne internationale Koordination. Dies ermöglichte es den Betrügern, das System auszutricksen (Euractiv).
Die CumEx-Files: Internationale Medienkooperation
Die CumEx-Files wurden am 18. Oktober 2018 von CORRECTIV in Kooperation mit 19 Medien aus zwölf Ländern veröffentlicht (Wikipedia). Dies war eine der größten internationalen Medienkooperationen zur Aufdeckung des Skandals. CumEx-Files 2.0 folgte im Oktober 2021 mit 30 Journalisten von 16 Medien (Correctiv).
Das BGH-Urteil 2021: Die Rechtslage wird geklärt
Am 28. Juli 2021 fällte der Bundesgerichtshof (BGH) ein Grundsatzurteil (1 StR 519/20), das erstmals höchstrichterlich bestätigte: Cum-Ex-Geschäfte sind strafbare Steuerhinterziehung (Spiegel, Correctiv).
Die rechtliche Bewertung
Richter Rolf Raum betonte bei der Urteilsverkündung: “Dies ergibt sich schon daraus, dass nur die tatsächlich einbehaltene Kapitalertragsteuer zur Anrechnung und Auszahlung angemeldet werden darf.” (Correctiv)
Das Gericht wies die Argumentation ab, dass es sich lediglich um die Ausnutzung von Gesetzeslücken handelt. Stattdessen beschrieb das Gericht die Geschäfte als “glatten Griff in die Kasse” (Correctiv).
Bedeutung und Folgen
Das Urteil hatte Auswirkungen auf zahlreiche laufende Verfahren bundesweit. Es war zu erwarten, dass in den folgenden Monaten und Jahren weitere Verurteilungen mit teilweise harten Haftstrafen folgen würden (Deloitte, Kanzlei Fathieh).
Doch die Realität: Trotz des klaren Urteils sind bis heute nur 1-2% der Beschuldigten verurteilt worden – ein massives Versagen der Strafverfolgung.
Landesbanken im Cum-Ex-Sumpf: Der Staat beklaut sich selbst
Die West-LB, die Landesbank Baden-Württemberg und die HSH Nordbank haben alle Cum-Ex gemacht – als Käufer. Das sind Staatsbanken – Banken, die dem Staat gehören.
Der Daimler-Deal: 8,7 Milliarden Euro in zwei Tagen
2007 machte die West-LB (Landesbank Nordrhein-Westfalen) eine ad-hoc-Meldung: Sie hält 14,1% an Daimler Chrysler – 8,7 Milliarden Euro Aktienwert. Die West-LB beteiligte sich zwischen 2007 und 2011 an Cum-Ex-Geschäften und soll dem Staat etwa 600 Millionen Euro an Steuern entzogen haben – über 1 Milliarde Euro inklusive Zinsen (Handelsblatt).
Einen Tag später kam die nächste ad-hoc-Meldung: Die West-LB hat keine Anteile mehr an Daimler.
Dazwischen lag der Dividendenstichtag – und damit die Kapitalertragsteuerthematik.
Die Frage: Kann ein Trader eine 8,7-Milliarden-Euro-Transaktion machen, ohne den Vorstand zu fragen? Kann der Vorstand das machen, ohne den Aufsichtsrat zu fragen?
Die Antwort: Nein. Jeder in der Bank, der das entscheiden kann, wusste davon – Vorstand und Aufsichtsrat.
Wer sitzt im Aufsichtsrat?
Im Aufsichtsrat von Landesbanken sitzen Politiker – die gleichen Politiker, die später sagten: “Wir müssen den Steuerzahler retten und gegen diese Banker vorgehen.”
Warum haben die Landesbanken das gemacht?
Die These: Versteckte Subvention. Die Landesbanken waren durch die Finanzkrise in Schieflage geraten. Sie standen vor der Insolvenz. Aber eine offene Subvention wäre verboten gewesen – die EU hätte interveniert.
Die Lösung: Cum-Ex-Trades, die über Kapitalertragsteuererstattungen den Landesbanken so viel Geld zuführen, dass sie nicht insolvent werden. Der Staat hat sich selbst in die Tasche gegriffen – über die Kapitalertragsteuer, die zwischen Bund und Ländern geteilt wird.
Die West-LB wurde später abgewickelt – der größte Insolvenzfall, den Nordrhein-Westfalen je verdauen musste. Aber 2007 retteten Cum-Ex-Trades die Bank vor dem sofortigen Kollaps. 14 ehemalige West-LB-Vorstände stehen unter Ermittlung, darunter vier ehemalige Vorstandsvorsitzende: Thomas Fischer, Alexander Stuhlmann, Heinz Hilgert und Hans-Dietrich Voigtländer (Handelsblatt).
Die Ermittlungen: Warum keine Verurteilungen?
Es gibt Ermittlungsverfahren gegen Menschen in diesen Landesbanken – aber kein einziger Fall ist bisher vor Gericht gelandet. Bei der Warburg Bank gibt es erheblichen Ermittlungseifer – bei den Landesbanken, die dem Staat gehören, ist dieser Eifer begrenzt.
Die Scholz-Verbindung: Warburg, Hamburg und die Tagebücher
Olaf Scholz ist nicht “The Big Fish” in Cum-Ex – aber seine Verbindung zu Warburg zeigt, wie tief die Politik drinsteckt.
Wie Scholz ins Spiel kam
2018 – niemand wusste von Scholz’ Verbindung zu Cum-Ex. Steck bekam einen Anruf von einem Steuerberater, der sagte: “Der hängt mit drin” – ohne den Namen zu nennen. Steck dachte, der Mann sei “gaga” und ignorierte es.
Zwei Wochen später – völlig unabhängig – rief Steck’s Medienberater an: “Hier in Hamburg in der Gesellschaft erzählt man sich beim Mittagessen: Der ehemalige Bürgermeister hängt mit drin.”
Zwei Quellen, die deckungsgleich waren – Steck informierte einen Investigativjournalisten, der dann die Tagebücher von Christian Olearius (Mehrheitseigentümer von Warburg) fand.
Die Tagebücher: Die Nadel im Heuhaufen
Die Staatsanwaltschaft hatte bei einer Durchsuchung 17 Tagebücher von Olearius beschlagnahmt – 20 Jahre Aufzeichnungen. Darin stand: “Ich treffe heute den Oberbürgermeister” und “Ich bitte ihn darum” – mehrfach.
Das Drama: Scholz sagte zunächst, er habe sich einmal mit Olearius getroffen. Dann tauchte sein Kalender auf – er hatte sich dreimal getroffen. Am Ende konnte er sich nicht mehr erinnern.
Alstergate: Die Finanzamtsvorsteherin
In Hamburg ließ eine Finanzamtsvorsteherin 47 Millionen Euro verjähren – die Warburg-Bank hätte zurückzahlen müssen. Später kam noch ein zweistelliger Millionenbetrag dazu, und wieder wurde nicht agiert.
Das Bundesfinanzministerium gab eine Weisung – ein seltener Vorgang – dass Hamburg zurückfordern muss. Diese Frau ist heute angeklagt – ob sie vor Gericht andere Dinge erzählt, wenn sie Knast vor Augen hat, bleibt abzuwarten.
Warum traf sich Olearius mit Scholz?
Die Hoffnung (laut den Tagebüchern): Die Warburg-Bank würde pleite gehen, wenn sie die 80-100 Millionen Euro zurückzahlen müsste. Das könne nicht im Sinne des Landes Hamburg sein. Außerdem gebe es gute Gründe, warum die erstattete Steuer legal sei.
Das Problem: Das war vor dem ersten Urteil – es gab noch keine Rechtsprechung, die dagegen stand.
Die Rolle der Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer spielten eine zentrale Rolle bei den Cum-Ex-Betrügereien, die den deutschen Staat um mindestens 10-12 Milliarden Euro (Cum-Ex) kosteten, zusammen mit Cum-Cum sogar über 40 Milliarden Euro (Zeit, Tagesschau).
Hanno Berger: Der Strippenzieher
Hanno Berger gilt als Schlüsselfigur und “Strippenzieher” der Cum-Ex-Geschäfte (Correctiv). Als Steueranwalt und Rechtsanwalt fungierte er als “Ideengeber und Berater” bei der Planung und Umsetzung der Transaktionen. Er reichte unter seinem Kanzleibriefkopf Steuererklärungen mit falschen Angaben bei Finanzämtern ein (Private Banking Magazin).
Berger wurde mehrfach verurteilt und drohen bis zu 15 Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof bestätigte im Oktober 2024 die Verurteilung durch das Landgericht Wiesbaden zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und drei Monaten wegen Steuerhinterziehung (Private Banking Magazin).
Freshfields und die Maple Bank
Bei der Maple Bank waren Partner der renommierten Anwaltskanzlei Freshfields als Steuerberater tätig und verfassten Gutachten, die die illegalen Geschäfte absegneten (Süddeutsche Zeitung). Der ehemalige Freshfields-Partner Ulf Johannemann, ehemals ranghöchster Steuerrechtler der Kanzlei, war ebenfalls beschuldigt (Süddeutsche Zeitung).
Wirtschaftsprüfer: EY und andere
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY war in Cum-Ex-Fälle verwickelt und einigte sich außergerichtlich mit dem Insolvenzverwalter der Maple Bank auf eine Zahlung von etwa zwölf Millionen Euro (Süddeutsche Zeitung).
Fast alle großen deutschen Banken und internationale Finanzinstitute waren an den Betrügereien beteiligt (Correctiv). Das zeigt: Es war keine kleine Gruppe von Gaunern, sondern ein industrielles Phänomen mit hochgradiger Arbeitsteilung zwischen Banken, Anwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern.
BaFin-Versagen: Frühzeitige Hinweise ignoriert
Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) erhielt bereits im Mai 2007 eindeutige Hinweise auf den Cum-Ex-Skandal, hätte diesen aber frühzeitig entlarven können (Süddeutsche Zeitung).
Der Whistleblower-Brief
Ein fünfseitiges Dokument eines Hinweisgebers beschrieb detailliert, wie die staatseigene Westdeutsche Landesbank (West-LB) mit niederländischen Partnern deutsche Steuerzahler um Milliarden betrog (Süddeutsche Zeitung). Das Papier stammte aus der belgisch-niederländischen Bank Fortis und dokumentierte ein konkretes Geschäft mit Deutsche-Bank-Aktien aus 2004, das 100 Millionen Euro an unrechtmäßigen Steuerererstattungen gebracht hatte (Süddeutsche Zeitung).
Informationen unter Verschluss
Statt Ermittlungsbehörden zu warnen, hielt die BaFin das brisante Dokument jahrelang unter Verschluss (Süddeutsche Zeitung). Interne Vermerke der Aufsicht enthielten zwar das Wort “Steuerhinterziehung”, doch die Behörde gab die Informationen nicht weiter (Süddeutsche Zeitung).
Strukturelle Probleme der BaFin
Die BaFin litt unter grundsätzlichen Aufsichtsmängeln (Bundestag). Die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA identifizierte “erhebliche Lücken” im System der deutschen Finanzaufsicht und mangelnde Umsetzung von EU-Vorgaben (Bundestag).
Ein Teufelskreis entstand: Die BaFin ermittelte nicht kriminalistisch, konnte daher keine Straftatsbeweise finden und konnte die Staatsanwaltschaft nicht einschalten (Bundestag).
Bilanz der Aufklärung
Bis heute ist die Aufklärung schleppend: Von etwa 441 Verdachtsfällen waren nur 51 rechtskräftig abgeschlossen, wobei 1,1 Milliarden Euro von geschätzten über 10 Milliarden Euro Gesamtschaden gesichert wurden (Süddeutsche Zeitung).
Rückforderungen und Aufarbeitung: Wo bleiben die Milliarden?
Der Staat hat durch Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte erhebliche Steuerausfälle erlitten. Schätzungen beziffern den Gesamtschaden auf etwa 40 Milliarden Euro (ZDF).
Bisherige Rückforderungen
Die Rückforderungen durch die Finanzämter verlaufen schleppend:
Cum-Ex:
- 174 Fälle rechtskräftig abgeschlossen mit Rückforderungen von circa 3,1 Milliarden Euro (Bundestag)
- 380 Verdachtsfälle mit einem Volumen von 3,8 Milliarden Euro noch in Bearbeitung (Bundestag)
Cum-Cum:
- 76 Fälle abgeschlossen mit Rückforderungen von etwa 205 Millionen Euro (Bundestag)
- 240 Verdachtsfälle mit 6,7 Milliarden Euro noch in Bearbeitung (Bundestag)
Probleme bei der Aufarbeitung
Trotz höchstrichterlicher Urteile, die die Rückforderung ermöglichen würden, handelt der Staat nur sehr zurückhaltend (Tagesschau).
Ein zentrales Problem: Die Gefahr der Vernichtung von Dokumenten durch beteiligte Banken und Unternehmen (Tagesschau). Das 2024 verabschiedete 4. Bürokratieentlastungsgesetz hat diese Problematik durch verkürzte Aufbewahrungsfristen verschärft (Tagesschau).
Strafverfolgung im Stillstand: Warum nur 1-2% verurteilt wurden
Etwa 1.700-1.800 Menschen sind in Deutschland beschuldigt – nur etwa 1-2% sind bisher verurteilt. Wir sind 2026 – fast 20 Jahre später, seit die Ermittlungen begannen (NDR Panorama, ZDF).
Das Problem: Es geht einfach nicht
Die Quintessenz: Der deutsche Rechtsstaat kann nicht alle 1.700-1.800 Fälle verarbeiten. Das ist eine Binsenweisheit – jeder Jurist weiß es, aber keiner spricht es aus.
Warum? Weil die Gefahr besteht, dass die Leute auf die Straße gehen und sagen: “Das kann ja wohl nicht sein – die Kleinen hängt man auf, die Großen lässt man laufen.”
Wer wird verfolgt?
Die Strategie: Man braucht Gesichter – Menschen, die man kreuzigen kann, um von sich abzulenken.
Warburg hat sich nach vorne gespielt – sie sagten: “Wir haben nichts falsch gemacht” und wurden zum Medienspektakel. Die Ermittler fokussierten sich darauf – von unten nach oben, immer mehr Warburger wurden angeklagt.
Am Ende wurde Christian Olearius selbst angeklagt – aber sein Verfahren wurde 2024 wegen schlechten Gesundheitszustands eingestellt, ohne dass die Schuldfrage geklärt wurde (NZZ).
Die anderen: Die meisten der 1.700-1.800 Beschuldigten leben auf der ganzen Welt verstreut – von Australien bis Kanada, New York bis Dubai. Sie werden nie freiwillig nach Deutschland kommen.
Wer wird geholt?
- Menschen, die sich gestellt haben und kooperiert haben (wie Steck)
- Menschen, die man medienträchtig vorführen kann (wie Steck’s ehemaliger Partner aus der Schweiz)
- Menschen, die in Deutschland leben und nicht fliehen können
Die großen Fische: Andrew Jane (ehemaliger Vorstand der Deutschen Bank) steht auf der Liste – aber wird man ihn jemals in einem deutschen Gericht sehen? Nein.
Die Goldene Brücke: Warum nicht Amnestie?
Steck’s Vorschlag: Baut die Goldene Brücke zurück in die Legalität. Bietet den Banken einen Deal: Geld zurück, dann Ruhe. Das hat bei der Schwarzgeld-Amnestie funktioniert – Peer Steinbrück sagte: “Ihr lieben Schweizer Banken, her mit den Informationen, sonst schicken wir die Kavallerie.”
Das Ergebnis: Viele Menschen gaben das Geld zurück, zahlten Zinsen und Zinseszinsen und kamen straffrei davon. Die Kohle kam zurück.
Bei Cum-Ex passiert das Gegenteil: Statt Amnestie wird jeder Fall einzeln verfolgt – aber das geht nicht. Es gibt 1.700-1.800 Beschuldigte, nur 1-2% sind verurteilt, und es wird noch 20 Jahre dauern, bis alle verarbeitet sind.
Die Alternative: Cum-Cum – eine noch ältere Spielart von Cum-Ex, die wahrscheinlich einen noch größeren Schaden verursacht hat (28,5 Milliarden Euro). Die Täter sind entweder tot oder in Rente. Es macht keinen Sinn, sie noch zu verfolgen – aber es macht Sinn, das Geld zurückzuholen.
Die verbindliche Auskunft: Das Dokument, das alles ändern könnte
Ein Steuerberater kontaktierte Steck mit einer brisanten Information: Es gibt eine verbindliche Auskunft der Oberfinanzdirektion, die besagt, dass Cum-Ex in der dort offengelegten Form rechtlich zulässig ist.
Was ist eine verbindliche Auskunft?
Eine verbindliche Auskunft ist eine rechtsverbindliche Meinung einer obersten Finanzbehörde. Wenn du als Steuerpflichtiger eine komplexe Steuerfrage hast, kannst du (gegen Gebühr) zur Oberfinanzdirektion gehen und eine verbindliche Auskunft einholen.
Die Auskunft gilt:
- Nur für den Einzelfall – aber die Rechtsmeinung ist für alle Zeiten vertretbar
- Wenn die Oberfinanzdirektion sagt: “Das ist legal”, dann kann sie nicht heute hü und morgen hott sagen
Die These: Wenn dieses Dokument in den Händen der Angeklagten gewesen wäre, hätten sie sagen können: “Dafür könnt ihr mich nicht einsperren – die Oberfinanzdirektion hat gesagt, es ist legal.”
Warum wurde es nicht gefunden?
Das Dokument:
- Wurde von einem namhaften Steuerberater beantragt (der heute im Himmel ist)
- Wurde entweder von der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen oder Frankfurt erteilt
- Verjährungsfristen nach 10 Jahren – aber heute ist alles digitalisiert
- Wird sich finden lassen – Steck ist relativ sicher, dass es schon mal an der einen oder anderen Stelle aufgetaucht ist, aber noch nicht an die Öffentlichkeit gekommen ist
Warum ist das wichtig?
Wenn der Staat einmal durch seine oberste Landesbehörde gesagt hat, Cum-Ex ist legal (und der Sachverhalt wurde mit Leerverkäufen offengelegt), dann ist es sehr schwierig, noch zu vertreten, dass es strafbar war.
Die Implikation: Die 1.700-1.800 Beschuldigten könnten nicht verurteilt werden, wenn dieses Dokument existiert und der Sachverhalt korrekt offengelegt wurde.
Unterdrückte Dokumentationen: Was die Medien nicht senden
Steck hat mit 2-3 Investigativjournalisten gesprochen, die fertige Dokumentationen hatten – bereit zum Senden. Aber sie wurden nie gesendet.
Warum? “Es ist nicht opportun” oder “Es ist nicht zeitgerecht” – aber die wahren Gründe bleiben im Dunkeln.
Auch Steck’s Vernehmungsprotokolle fielen “vom Laster” – obwohl sie gesperrt waren. Ein Journalist rief ihn an und las ihm daraus vor – wie konnte er sie haben?
Die Quintessenz: “Nichts ist geheim geblieben” – aber es taucht immer irgendwo auf. Warum? Weil es menschelt – überall, auch in den Behörden.
Die persönlichen Konsequenzen: Bedrohungen, Klagen und der Kampf ums Überleben
Steck hat 10 Jahre lang damit gerechnet, für 10 Jahre ins Gefängnis zu gehen. Er hatte Suizidgedanken – “ich springe aus dem Fenster” – und wurde von Trainern und Coaches gerettet.
Die Repressionen
1,6 Milliarden Euro Schadensersatzforderungen gegen ihn – 350 Millionen von Warburg, 270 Millionen von einer Bank in München, und weitere. Immer dann, wenn er eine Aussage machte, kam zwei Wochen später eine Klage.
Die Botschaft: “Halt die Schnauze, dann lassen wir dich in Ruhe.”
Bedrohungen: Jemand kam in sein Büro, gab sich als Mandant aus und sagte: “Weißt du, was Rumänen mit deiner Tochter machen für 5000 Euro?” – und machte den Schlagbohrhammer.
Der Staat bot keinen Schutz – “Sie können Waffenschein machen” war die Antwort. Null Schutz für einen Kronzeugen, der sich gegen die gesamte Finanzindustrie stellt.
Die Anwälte: 10 Millionen Euro
Steck hat 10 Millionen Euro für Anwälte bezahlt – Strafverteidiger, Presserecht, Zivilrecht. Der Staat zahlt nichts – Kronzeugen müssen ihre Anwälte selbst bezahlen.
Seine Anwälte sagten: “Wir holen dich da raus” – und kassierten Millionen. Am Ende kam er nicht raus – er musste sich andere Anwälte nehmen und konnte sie kaum noch bezahlen.
Die Rente: Gepfändet
13,5 Millionen Euro muss Steck noch zurückzahlen (noch nicht rechtskräftig). 1 Million Euro sind bereits rechtskräftig – und die Finanzbehörde hat jetzt seine Rente gepfändet.
Die Rente ist erst 2036 fällig – aber sie ist jetzt gepfändet. Steck hat keine Möglichkeit, die Millionen zurückzuzahlen – er hat alles für Anwälte ausgegeben.
Die drei Säulen: Warum Kronzeugen Hilfe brauchen
Steck’s Konzept: Jeder Mensch hat drei tragende Säulen:
- Gesundheit – körperlich fit, kein Krebs
- Beruflich/Finanziell – ordentlicher Job, Kohle kommt
- Beziehungen – Familie, Freunde, Partner
Bei Steck waren alle drei Säulen eingestürzt:
- Gesundheit: 14 Kilo mehr, Herzinfarkt-gefährdet, konnte ohne Wein nicht schlafen
- Beruflich: Exkommuniziert, keine Mandanten, Durchsuchungen, in jeder Zeitung
- Beziehungen: Familie zugemutet, Freunde haben ihn nicht mehr angeguckt, persona non grata
Die Erkenntnis: Wenn drei Säulen wackeln, ist es Zeit, die Hand auszustrecken. Steck bekam Hilfe – und heute hilft er anderen.
Seine Botschaft an zukünftige Kronzeugen: “Vertraue auf den deutschen Rechtsstaat” – aber nur, wenn du die richtigen Leute triffst. Und passe auf, dass du nicht zivilrechtlich platt gemacht wirst.
Die Alternative: Amerika – dort gibt es Schutz für Kronzeugen und Immunisierung durch das Foreign Corrupt Practices Act. In Amerika bekommen Kronzeugen 10-30% der Rückflüsse – Bradley Birkenfeld (UBS-Whistleblower) bekam über 100 Millionen Dollar für seine Aussagen gegen die UBS (Faz). Steck bekommt nichts – außer einer gepfändeten Rente.
Die deutsche Kronzeugenregelung: Strafmilderung statt Schutz
Das deutsche System zeigt Strafmilderung als Anreiz für Kooperation und Aufklärung von schwerer Steuerkriminalität (Zeit, Süddeutsche Zeitung).
Steck’s Fall zeigt die Probleme:
- Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich drei Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe gefordert (Zeit)
- Er bekam Bewährungsstrafe statt Freiheitsstrafe – aber keinen Schutz vor zivilrechtlichen Klagen
- 1,6 Milliarden Euro Schadensersatzforderungen gegen ihn
- Keine Unterstützung vom Staat bei Anwaltskosten
- Gepfändete Rente trotz jahrelanger Kooperation
Die Botschaft an zukünftige Kronzeugen: Das deutsche System bietet keine ausreichende Sicherheit für Menschen, die sich gegen mächtige Industrien stellen.
Die Einordnung: Cum-Ex im Kontext der Finanzkrise
Cum-Ex fiel in eine Zeit, in der das Finanzsystem bereits unter Druck stand. Die Finanzkrise 2007-2008 führte dazu, dass viele Banken – insbesondere Landesbanken – in Schieflage gerieten.
Warum Landesbanken besonders betroffen waren
Landesbanken waren durch die Finanzkrise besonders gefährdet:
- Subprime-Kredite und strukturierte Finanzprodukte führten zu massiven Verlusten
- Staatliche Garantien waren erforderlich, um Insolvenzen zu verhindern
- Offene Subventionen wären EU-rechtlich problematisch gewesen
Cum-Ex bot eine Lösung: Über versteckte Steuererstattungen konnten Landesbanken Milliarden erhalten, ohne dass dies als offene Subvention erkennbar war. Der Staat beklaut sich selbst – aber die Banken bleiben am Leben.
Das Timing: 2007-2010
Genau in dieser Zeit – 2007 bis 2010 – entstanden die größten Steuerschäden durch Cum-Ex. Die Industrie war international organisiert, und die Landesbanken brauchten dringend Geld.
Das ist kein Zufall. Es war ein perfekter Sturm aus:
- Finanzkrise (Banken in Not)
- Bewusste Gesetzeslücke (Jahressteuergesetz 2007)
- Politische Duldung (Politiker in Aufsichtsräten)
- Fehlende Aufsicht (BaFin ignorierte Hinweise)
Fazit: Cum-Ex war ein Staatsverbrechen
Die Beweislage ist erdrückend:
- Der Bankenverband informierte 2002 (kannte das Problem bereits seit Ende der 1970er Jahre) – der Staat reagierte 4 Jahre nicht
- Das Bundesfinanzministerium bat die Banken, das Gesetz zu schreiben – der Bock wurde zum Gärtner
- Das Gesetz hatte eine bewusste Lücke – nur für Banken in Deutschland, die Industrie war aber international
- Landesbanken machten Cum-Ex – der Staat beklaut sich selbst, um Banken zu retten
- Politiker im Aufsichtsrat wussten davon – die gleichen, die später sagten: “Die Banker sind schuld”
- BaFin ignorierte frühzeitige Hinweise – 2007 erhielt sie konkrete Informationen, gab sie aber nicht weiter
- Nur 1-2% der 1.700-1.800 Beschuldigten sind verurteilt – nach fast 20 Jahren
- Fertige Dokumentationen wurden nie gesendet – warum?
- Rückforderungen verlaufen schleppend – nur 3,1 Milliarden von 10+ Milliarden Euro zurückgeholt
- Cum-Cum wird kaum verfolgt – obwohl der Schaden fast dreimal so hoch ist
Die These von Kai-Uwe Steck: “Ich bin sehr sicher, dass das mit Absicht erfolgte.” Die Menschen im Bundesfinanzministerium sind nicht doof – sie sind hochgebildete Experten. Es gab sogar Mitarbeiter des Bankenverbandes, die ausgeliehen wurden.
Cum-Ex war kein reines Banken-Verbrechen – es war auch ein Staatsverbrechen. Der Staat hat sich selbst in die Tasche gegriffen – über versteckte Subventionen für Landesbanken, über ein Gesetz mit bewusster Lücke, über Politiker, die im Aufsichtsrat saßen und wussten, was passiert.
Die Dimensionen des Versagens
Aufsicht versagte:
- BaFin ignorierte 2007 konkrete Hinweise
- Bundesfinanzministerium reagierte 4 Jahre nicht auf Bankenverband-Brief
- Europäische Partner wurden erst 2015 gewarnt – 13 Jahre zu spät
Strafverfolgung versagte:
- Nur 1-2% Verurteilungen nach fast 20 Jahren
- Keine Verfolgung von Landesbanken-Vorständen
- Internationale Täter werden nicht geholt
Rückforderungen versagen:
- Nur 3,1 Milliarden Euro von 10+ Milliarden Euro zurückgeholt
- Cum-Cum wird kaum verfolgt, obwohl Schaden 28,5 Milliarden Euro
- Verkürzte Aufbewahrungsfristen durch Bürokratieentlastungsgesetz verschärfen das Problem
Die Frage bleibt: Warum werden diese Informationen unterdrückt? Wer schützt die wahren Täter? Und wie tief steckt die Politik wirklich drin?
Die Antwort: Wir werden es wahrscheinlich nie vollständig erfahren – aber was wir wissen, ist beunruhigend genug. Der Cum-Ex-Skandal zeigt ein systemisches Versagen auf allen Ebenen: Aufsicht, Gesetzgebung, Strafverfolgung und Rückforderung. Es war nicht nur ein Verbrechen – es war ein Staatsversagen.
Quellen und weiterführende Informationen
Das Interview
- YouTube: 150 Milliarden verschwunden: Was wir nicht wissen sollen
- Spotify: #264 - ENTHÜLLUNG: Politiker vertuschen Milliarden-Betrug
- Kanal: ungeskriptet
- Aufnahmedatum: 14. Januar 2026
- Veröffentlichungsdatum: 24. Januar 2026
- Dauer: Über 3 Stunden (3 Stunden 19 Minuten)
Kai-Uwe Steck
- Website: kaiuwesteck.com
- Instagram: @kaiuwesteck
- LinkedIn: Dr. Kai-Uwe Steck
- YouTube: @kai-uwesteck
- Buch: Deutscher Wirtschaftsbuchverlag
Ben von ungeskriptet
- YouTube: ungeskriptet
- TikTok: @ungeskriptet
- Instagram: @ben_ungeskriptet
- X: @benungeskriptet
- Website: ungeskriptet.com
Kai-Uwe Steck’s Buch
- Buchtitel: “Der Cum-Ex-Kronzeuge” (Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag, November 2025, 256 Seiten, €22)
- Inhalt: Steck beschreibt seine Rolle im Skandal, warum er kooperierte und wie er von der Staatsanwaltschaft behandelt wurde (Welt)
- Website: dercumexkronzeuge.com
Bankenverband und das Jahressteuergesetz 2007
- Süddeutsche Zeitung: Was der Bankenverband über die Aktiendeals wusste – Der Bankenverband kannte das Problem bereits seit Ende der 1970er Jahre
- Handelsblatt: Staatsanwälte durchsuchen Bundesverband deutscher Banken
- Dejure.org: Jahressteuergesetz 2007 (BGBl. I 2006 S. 2878)
- Deutschlandfunk: Cum-Ex-Geschäfte: Die schwierige strafrechtliche Aufklärung
West-LB und Landesbanken
- Handelsblatt: Ermittlungen gegen 14 ehemalige WestLB-Vorstände – 600 Millionen Euro Schaden, über 1 Milliarde inklusive Zinsen
- Handelsblatt: Cum-Ex: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige HSH Nordbank
- Staatsanzeiger: Cum-Ex-Skandal: Anklage gegen frühere LBBW-Mitarbeiter
- Süddeutsche Zeitung: Bafin-Panne: Cum-Ex-Steuerskandal hätte frühzeitig auffliegen können – Ein Whistleblower informierte BaFin 2007 über West-LB
Olaf Scholz und Warburg (Alstergate)
- Zeit: Der Bankier und seine Freunde in der Politik – Umfassende Analyse der Scholz-Warburg-Verbindung
- Tagesspiegel: Das Tagebuch eines Bankers bringt Olaf Scholz in Erklärungsnot
- Tagesschau: Scholz und die Warburg-Bank: Darum geht es im Cum-Ex-Skandal
- Süddeutsche Zeitung: BGH: SZ darf Tagebuch-Zitate in Cum-Ex-Berichten veröffentlichen
- Tagesschau: BGH-Urteil: Abdruck von Tagebuch-Zitaten rechtmäßig
- Zeit: Olaf Scholz weist Einflussnahme in Cum-Ex-Skandal erneut zurück
- Spiegel: Cum-ex: Olaf Scholz bleibt dabei, es habe keine politische Einflussnahme gegeben
Strafverfolgung und Verurteilungen
- NDR Panorama: Cum-Ex: Griff in die Steuerkassen strafbar – BGH bestätigte 2021 erstmals Strafbarkeit
- NZZ: Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Kai-Uwe Steck zu Bewährungsstrafe verurteilt
- ZDF: Steuerraub: So versagt der Staat bei Cum-Ex-Aufklärung
- Welt: Cum-Ex-Prozess: Wochen der Wahrheit für Warburg-Banker Olearius
Untersuchungsausschüsse
- Bundestag: Alle Fraktionen für Transparenz und Aufklärung bei Cum-Ex
- Bundestag: Koalition lehnt Untersuchungsausschuss zu Cum-Ex ab
- Stern: Cum-Ex: Wie sich Olaf Scholz durch 36 Fragen schummelt
Schaden und Ausmaß
- Correctiv: Cum-Ex – Steuerbetrug durch Aktionäre, Banken und Investoren
- Correctiv: CumEx-Files 2.0 – Der skandalöse Steuerbetrug geht weiter
- Merkur: Das wahre Ausmaß des Betrugs ist noch viel dramatischer als gedacht – 150 Milliarden Euro weltweit
- Euractiv: 150 Milliarden Euro Schaden durch Cum-Ex und andere Steuertricks
- LTO: Schaden durch Cum-Ex-Geschäfte höher als angenommen
Medienrecherchen
- NDR Panorama: Bundesregierung überwacht Aktienhandel nicht auf verdächtige Geschäfte
- Correctiv: CumEx-Files 2.0: Was eine globale Medienkooperation herausgefunden hat
Verbindliche Auskunft
- Bundestag: Auskunft zum Cum/Ex und Cum/Cum – 380 Verdachtsfälle bei Obersten Finanzbehörden, 3,8 Milliarden Euro Volumen
- NWB Datenbank: Verbindliche Auskunft
- Bundesfinanzministerium: Abgabenordnung § 89a – Verbindliche Auskunft
Geschichte und Entstehung
- Zeit: Der größte Steuerraub in der deutschen Geschichte – Umfassende Analyse der Cum-Ex-Geschichte
- Wikipedia: CumEx-Files – Detaillierte Übersicht über den Skandal
- NDR Panorama: Bundesregierung überwacht Aktienhandel nicht auf verdächtige Geschäfte
- Netzwerk Steuergerechtigkeit: Cum-Ex-Broschüre
Cum-Ex vs. Cum-Cum
- Finanzwende Recherche: CumCum – der übersehene Bruder von CumEx
- Spiegel: Cum/Cum: So funktioniert die Steuertrickserei mit Aktien
- Süddeutsche Zeitung: Cum-Cum-Aktiendeals erstmals vor Gericht
- Finanzwende: CumCum-Skandal: Holt endlich das Geld zurück!
- Tagesschau: Cum-Cum-Aufarbeitung: Es geht noch immer um Milliarden
Internationale Dimension
- NDR Panorama: Jahrhundertcoup: Angriff auf Europas Steuerzahler
- Deutschlandfunk: Recherche “Cum-ex-Files” - Organisierte Kriminalität in Nadelstreifen
BGH-Urteil 2021
- Spiegel: Cum-Ex: Bundesgerichtshof bestätigt Strafbarkeit von Steuergeschäften
- Deloitte Tax News: BGH: Cum-Ex-Geschäfte sind strafbar
- Kanzlei Fathieh: Cum-Ex, Steuerstrafverfahren und Strafverteidigung
Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
- Zeit: Staat verlor mindestens 31,8 Milliarden Euro
- Correctiv: Cum-Ex – Akteure und Organisatoren des Steuerbetrugs
- Private Banking Magazin: Cum-Ex-Anwalt Hanno Berger erneut rechtskräftig verurteilt
- Süddeutsche Zeitung: Cum-Ex: So dreist soll die Maple Bank den Staat abgezockt haben
BaFin-Versagen
- Süddeutsche Zeitung: Bafin-Panne: Cum-Ex-Steuerskandal hätte frühzeitig auffliegen können
- ZDF: Steuerraub: So versagt der Staat bei Cum-Ex-Aufklärung
- Bundestag: Europäische Finanzaufsicht kritisiert deutsche Behörden
- Süddeutsche Zeitung: Cum-Ex-Aufklärung kommt nur schleppend voran
Rückforderungen
- ZDF: Cum-Ex- und Cum-Cum-Skandal: Wo bleiben die Milliarden?
- Bundestag: Bundesregierung nennt Daten zu Cum-Cum und Cum-Ex
- Bundestag Drucksache: 20/4320 – Cum-Ex und Cum-Cum Rückforderungen
Kronzeugenregelung
- Zeit: Cum-Ex-Kronzeuge muss nicht ins Gefängnis
- FAZ: Cum-Ex-Kronzeuge im Interview: Wohin seine Millionengewinne gingen
- Süddeutsche Zeitung: Cum-Ex: Kronzeuge muss nicht ins Gefängnis
- Tagesschau: Bewährungsstrafe für Cum-Ex-Kronzeugen
- Landgericht Bonn: Urteil 62 KLs - 213 Js 41/19
Weitere Informationen
- Wikipedia: Cum-Ex-Geschäfte
- Finanzwende Recherche: Steuerraub CumEx und CumCum