Iran und der BGP-Shutdown

IPv6-Routen zurückgezogen, IPv4 im „Stealth“-Modus – technische Einordnung des Januar-2026-Blackouts und belegbare Quellen

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Stellt euch vor: Von einem Tag auf den anderen funktioniert das Internet nicht mehr. Kein Instagram, kein Google, keine Nachrichten von außen – nicht mal Anrufe oder Banking. 87 Millionen Menschen in Iran erleben genau das seit dem 8. Januar 2026. Der Staat hat einen der schwersten Internet-Blackouts seiner Geschichte ausgelöst – und zwar nicht mit einem simplen „Strom aus“, sondern mit gezielten BGP-Eingriffen und einer „Stealth“-Strategie, die von außen kaum auffällt.

In diesem Beitrag erkläre ich, was konkret passiert, warum Iran das technisch so leicht fällt – und was das für Deutschland bedeutet: Könnte so etwas hier passieren? Und was kann man tun?

Worum es geht

Was ist BGP – und warum reicht es, um ein Land „offline“ zu schalten?

BGP (Border Gateway Protocol) ist das Routing-Protokoll des Internets. Vereinfacht: Jedes Netzwerk teilt der Welt mit: „Wir bedienen diese IP-Adressbereiche – schickt uns dafür euren Traffic.“ Sobald ein Land oder seine Grenzknoten diese Ankündigungen zurückziehen, verschwinden die zugehörigen Netze aus den globalen Routing-Tabellen. Folge: Kein Datenverkehr mehr – das Land ist vom globalen Internet abgekoppelt.

Iran macht genau das – mal radikal (alle Routen weg), mal versteckt (Routen bleiben, Traffic wird blockiert). Belege dazu liefern u. a. Filterwatch, IODA (Georgia Tech) und The Conversation.

Was passiert im Januar 2026? IPv6 weg, IPv4 „Stealth“

Der Blackout ab 8. Januar 2026 unterscheidet sich von früheren Runden. Iran kombiniert zwei Strategien:

IPv6: Routen massiv zurückgezogen

Am Morgen des 8. Januar sank die Zahl der angekündigten IPv6-Adressräume drastisch – von hunderten Prefixen auf wenige Dutzend. ~94 % der IPv6-Routen wurden effektiv zurückgezogen (Filterwatch, curifem.github.io). Das war der Vorbote: Wer BGP beobachtet, sah sofort, dass etwas Großes ansteht.

IPv4: Routen bleiben – Traffic wird blockiert („Stealth Outage“)

Bei IPv4 blieb fast alles offiziell unverändert. Die Routen sind weiterhin in den globalen Tabellen, RIPE RIS und Kentik zeigen Iran als erreichbar. Gleichzeitig fiel der tatsächliche Datenverkehr auf nahezu null – dokumentiert von IODA, Cloudflare Radar und Filterwatch. Der Staat blockiert den Traffic an den Grenzen, ohne die Routen zu widerrufen. Ergebnis: BGP sieht „normal“ aus – die Menschen haben kein funktionierendes Internet. Das nennt man „Stealth Outage“.

Warum dieser Mix?

Zwei Gateways kontrollieren alles: TIC und IPM

In den meisten Ländern gibt es viele unabhängige Anbindungen ans globale Internet. Iran nicht. Nahezu der gesamte internationale Verkehr läuft über zwei staatlich kontrollierte Knoten:

Beide unterstehen dem Staat. Alle iranischen ISPs und Mobilfunkbetreiber (MCI, Irancell, etc.) müssen darüber. Wer diese beiden Stellen kontrolliert, kann das ganze Land vom globalen Internet trennen – per BGP-Rückzug, Filtering oder physischer Trennung. Understanding Iran’s Internet Blackout und Filterwatch beschreiben diese Architektur im Detail.

Kurz: Ablauf und Kontext

Der Blackout dauert bereits länger als der im Juni 2025 (~48,5 h) und länger als der November-2019-Shutdown („Bloody November“, rund eine Woche) – IODA, The Conversation.

Starlink umgeht terrestrische Netze – Traffic läuft über Satelliten. Iran kann die Kabel nicht kappen, also stört der Staat die Funkverbindung zwischen Nutzern und Satelliten. Dafür setzt er Jammer ein: Sender, die dieselben Frequenzen mit Rauschen fluten, bis die echten Signale nicht mehr durchkommen. gpsjam.org und Beobachter wie France 24 sowie NextBigFuture dokumentieren das für Iran.

1. GPS-Jamming: Terminals finden keine Position mehr

Starlink-Terminals brauchen GPS, um Standort und Ausrichtung zu kennen und die Antenne auf die Satelliten zu richten. Die GPS-Signale sind sehr schwach (typisch weit unter −120 dBm am Boden). Iran überflutet diese Frequenzen (u. a. L1 bei ~1,575 GHz) mit starkem Rauschen („Barrage-Jamming“). Der Rauschpegel steigt, das Nutzsignal geht im Lärm unter – die Terminals verlieren die Ortung und damit die Voraussetzung für eine stabile Verbindung. Teilweise kommt GPS-Spoofing dazu: gefälschte Signale, die falsche Positionen vorgeben (France 24, NextBigFuture).

Zusätzlich stören Jammer die eigentlichen Starlink-Frequenzen (Uplink Nutzer→Satellit, Downlink Satellit→Nutzer). Die Satelliten senden mit geringer Leistung (ca. 1–10 W pro Strahl); am Boden kommt nur wenig an (Größenordnung −120 dBm). Bodennahe Jammer mit 100–500 W Ausgangsleistung und richtungsstarken Antennen können in einem Umkreis von ca. 5–20 km das Nutzsignal überdecken – je nach Gelände und Aufstellung. Iran zielt dabei oft prioritär auf den Uplink: Wer hochlädt (z. B. Videos, Posts), wird blockiert; reines Empfangen bleibt teilweise möglich. So wird gezielt verhindert, dass Protestierende Inhalte nach außen teilen (NextBigFuture).

3. Mobil, nicht flächendeckend: Laster, Drohnen, regionale Hotspots

Die Jammer sind nicht fest installiert, sondern typischerweise auf Lkws oder Drohnen montiert. Damit können sie örtlich verschoben werden – z. B. in Gegenden mit Protesten. Ganz Iran lässt sich so nicht gleichzeitig stören; es entstehen lokale Ausfälle (u. a. zuerst rund um Teheran, gpsjam.org, France 24). Berichte sprechen von ca. 30–80 % Paketverlust in betroffenen Zonen (France 24, Filterwatch) – die Verbindung bricht nicht komplett ab, wird aber oft unbrauchbar.

Starlink hat Software-Updates ausgerollt (u. a. nach Jamming-Erfahrungen in der Ukraine): Terminals können ohne GPS die Position per Triangulation aus Starlink-Satellitensignalen bestimmen. So umgehen sie reines GPS-Jamming. Zusätzlich können Verbindungen auf andere Satelliten umgebucht werden, wenn einer gestört wird. Das mildert Jamming spürbar (z. B. Paketverlust von zeitweise ~70 % auf ~10–30 %); es bleibt aber ein „Katz-und-Maus“-Spiel – Iran passt Taktik an, Starlink reagiert mit Updates (France 24).

Iran im Vergleich: 2019, 2025, 2026

ZeitraumBGPWas passiert
Nov. 2019 („Bloody November“)Kompletter Routen-RückzugLand offensichtlich offline (The Conversation, OONI).
Juni 2025Kein flächendeckender BGP-Rückzug„Stealth“ via DPI, DNS, TLS; Routen blieben, Traffic blockiert (Filterwatch).
Jan. 2026IPv6 zurückgenommen, IPv4 erhalten, Traffic blockiertHybrid: BGP + Stealth; inkl. NIN, Mobilfunk, Festnetz (Filterwatch, curifem).

Könnte so etwas mit deutschem Internet passieren?

Kurz: Ein landesweiter BGP- oder „Stealth“-Blackout wie in Iran ist in Deutschland strukturell kaum vorstellbar. Der Unterschied liegt in der Infrastruktur.

Deutschland: Viele Knoten, keine zentrale „Kill-Schaltung“

Fazit: Um einen Iran-ähnlichen Total-Blackout zu erreichen, müsste jemand alle relevanten Anbieter und Knoten gleichzeitig steuern oder abschalten – rechtlich, politisch und technisch extrem unwahrscheinlich.

Aber: Zensur und Eingriffe gibt es auch bei uns

Kein Kill-Switch heißt nicht keine Eingriffe. In Deutschland existieren z. B.:

Wachsamkeit lohnt sich also: Dezentralisierung, Netzneutralität und Transparenz erhalten – und keine TIC/IPM-artige Zentralisierung zulassen.

Was kann man tun? Infrastruktur, Politik, Eigenverantwortung

1. Dezentrale Infrastruktur unterstützen

2. Netzneutralität und Transparenz

3. Eigenverantwortung: DNS, VPN, Awareness

4. Politisch und gesellschaftlich

Kurz: Ein Iran-Blackout ist in Deutschland nicht machbar. Aber Resilienz, Dezentralisierung und Transparenz zu stärken – das kann und sollte man tun.

Belegbare Quellen

Alle Angaben stützen sich auf öffentliche Berichte und Messdaten:

Fazit

Seit dem 8. Januar 2026 führt Iran einen massiven Internet-Blackout durch – gesteuert über BGP (IPv6-Rückzug, IPv4-„Stealth“) und zwei zentrale Gateways (TIC, IPM). Die Technik ist durch Filterwatch, IODA, The Conversation, curifem, Kentik, Cloudflare und RIPE gut belegt.

Deutschland ist fundamental anders aufgestellt: viele Anbieter, DE-CIX, keine zentrale Kill-Schaltung. Ein Iran-Szenario ist hier nicht umsetzbar. Trotzdem bleiben Dezentralisierung, Netzneutralität, Transparenz und Monitoring wichtig – damit das so bleibt und wir Wachsamkeit auch global unterstützen.

Weiterführend: NetBlocks, OONI Iran – für Echtzeit-Monitoring und Zensur-Messungen.

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5. Plugins und Tools

Google Fonts (lokales Hosting)

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Weitere Informationen zu Google Fonts finden Sie unter https://developers.google.com/fonts/faq und in der Datenschutzerklärung von Google: https://policies.google.com/privacy?hl=de.

Google Maps

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Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in der Datenschutzerklärung von Google: https://policies.google.com/privacy?hl=de.

6. Eigene Dienste

Google Analytics

Diese Website nutzt Funktionen des Webanalysedienstes Google Analytics. Anbieter ist die Google Ireland Limited ("Google"), Gordon House, Barrow Street, Dublin 4, Irland.

Google Analytics ermöglicht es dem Websitebetreiber, das Verhalten der Websitebesucher zu analysieren. Hierbei erhält der Websitebetreiber verschiedene Nutzungsdaten, wie z. B. Seitenaufrufe, Verweildauer, verwendete Betriebssysteme und Herkunft des Nutzers. Diese Daten werden in einer User-ID zusammengefasst und dem jeweiligen Endgerät des Websitebesuchers zugeordnet.

Google Analytics verwendet Technologien, die die Wiedererkennung des Nutzers zum Zwecke der Analyse des Nutzerverhaltens ermöglichen (z. B. Cookies oder Device-Fingerprinting). Die von Google erfassten Informationen über die Nutzung dieser Website werden in der Regel an einen Server von Google in den USA übertragen und dort gespeichert.

Die Nutzung dieses Dienstes erfolgt auf Grundlage Ihrer Einwilligung nach Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO und § 25 Abs. 1 TTDSG. Die Einwilligung ist jederzeit widerrufbar.

Die Datenübertragung in die USA wird auf die Standardvertragsklauseln der EU-Kommission gestützt. Details finden Sie hier: https://privacy.google.com/businesses/controllerterms/mccs/.

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Google reCAPTCHA

Wir nutzen "Google reCAPTCHA" (im Folgenden "reCAPTCHA") auf dieser Website. Anbieter ist die Google Ireland Limited ("Google"), Gordon House, Barrow Street, Dublin 4, Irland.

Mit reCAPTCHA soll überprüft werden, ob die Dateneingabe auf dieser Website (z. B. in einem Kontaktformular) durch einen Menschen oder durch ein automatisiertes Programm erfolgt. Hierzu analysiert reCAPTCHA das Verhalten des Websitebesuchers anhand verschiedener Merkmale. Diese Analyse beginnt automatisch, sobald der Websitebesucher die Website betritt. Zur Analyse wertet reCAPTCHA verschiedene Informationen aus (z. B. IP-Adresse, Verweildauer des Websitebesuchers auf der Website oder vom Nutzer getätigte Mausbewegungen). Die bei der Analyse erfassten Daten werden an Google weitergeleitet.

Die reCAPTCHA-Analysen laufen vollständig im Hintergrund. Websitebesucher werden nicht darauf hingewiesen, dass eine Analyse stattfindet.

Die Speicherung und Analyse der Daten erfolgt auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Der Websitebetreiber hat ein berechtigtes Interesse daran, seine Website vor missbräuchlicher automatisierter Ausspähung und vor SPAM zu schützen. Sofern eine entsprechende Einwilligung abgefragt wurde, erfolgt die Verarbeitung ausschließlich auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO und § 25 Abs. 1 TTDSG, soweit die Einwilligung die Speicherung von Cookies oder den Zugriff auf Informationen im Endgerät des Nutzers (z. B. Device-Fingerprinting) im Sinne des TTDSG umfasst. Die Einwilligung ist jederzeit widerrufbar.

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7. Änderungen dieser Datenschutzerklärung

Wir behalten uns vor, diese Datenschutzerklärung anzupassen, damit sie stets den aktuellen rechtlichen Anforderungen entspricht oder um Änderungen unserer Leistungen in der Datenschutzerklärung umzusetzen, z. B. bei der Einführung neuer Services. Für Ihren erneuten Besuch gilt dann die neue Datenschutzerklärung.

8. Fragen zum Datenschutz

Wenn Sie Fragen zum Datenschutz haben, schreiben Sie uns bitte eine E-Mail oder wenden Sie sich direkt an die für den Datenschutz verantwortliche Person in unserem Unternehmen:

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